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Wo wir uns doch alle so gerne über die DrecksBahn aufregen, habe ich gestern beschlossen meine BahnCard nicht mehr verlängern zu lassen. Schuld sind die neuen Fahrpläne, bei denen Augsburg nur noch ein Außenseiterdasein führt.

Wie kann es sein, dass ich mit der einzigen Direktverbindung Berlin-Augsburg ab dem 11. Dezember mit 7 ½ Stunden Fahrzeit benötigt?! Heute hab ich 2 Stunden weniger benötigt! Warum schickt diese blöde Bahn mich demnächst über Frankfurt nach Berlin?! Frankfurt am Main wohlgemerkt! Natürlich soll ich dann auch gleich 10 Euro mehr pro Fahrt bezahlen, wahrscheinlich, weil Frankfurt so eine schöne Skyline hat.

Jetzt sagt der gemäßigte Pragmatiker in mir: Dann fährst du halt bis Nürnberg, steigst da einmal um und brauchst nur 5 Stunden und 40 Minuten.

Der blindwütige Drecksack, der ebenfalls in meiner Brust wohnt, ist aber ganz anderer Meinung. Wozu soll ich ein Haufen Geld ausgeben für ein Beförderungsmittel, das mich nicht mal in einer vernünftigen Zeit und ohne dumme Umsteigerei nach Berlin fahren kann? Wenn ich umsteigen möchte, dann kann ich gleich nach München zum Flughafen fahren und in der halben Zeit in Berlin sein.

Warum sollt ich also noch Bahn fahren? Eigentlich gibt es außer ökologischen Gründen keine wirklichen Argumente, die den blindwütigen Drecksack in mir zufrieden stellen würden. Ich brauche länger, ich muss umsteigen und ich friere in den Abteilen. Heut hatte jedenfalls ein Großteil der Mitfahrer ihre Jacke an, da die Klimaanlage in ICE-Zügen keine Heizfunktion zu haben scheint. 7 Stunden frieren im Winter? Nein danke!

Also höre ich auf den Drecksack und schicke morgen eine Kündigung meiner Bahncard raus. Vielleicht sollte ich bei Chris ins Training einsteigen und dann immer mit dem Rad nach Berlin fahren, dann ist wenigstens mein grünes Gewissen beruhigt.

Wann weiß man, dass man in der Provinz ist? Es ist verdammt schwer wieder wegzukommen.
So oder so ähnlich müsste der Satz zum Thema Bahnanbindung von Augsburg ans Fernverkehrnetz in diesen Tagen heißen. Die Bahn verkündete in der letzten Woche ihre Fahrpläne für das Jahr 2007. Die sehen in den Augen des Fahrgastverbandes ProBahn Schwaben ziemlich schlecht aus.

Es war nicht anders zu erwarten, wer auf der A9 häufiger Richtung Norden unterwegs ist, der wird die neue ICE-Trasse München-Ingolstadt-Nürnberg schon oft gesehen haben. Wer genau aufgepasst hat, wird mitbekommen haben, dass bei dieser Streckenbeschreibung die Stadt Augsburg nicht auftaucht. Im Klartext, die Hälfte der Direktverbindung zwischen Augsburg und Berlin bzw. Hamburg fällt weg.

Für mich als Augsburg-Berlin-Pendler ist das schon ärgerlich. Ganze drei Direktverbindungen soll es wochentags geben, am Wochenende noch weniger. Sonst gibt’s nur noch die Alternative in Nürnberg umzusteigen. Da ich aber schon immer froh bin meine dicke Tasche in einen ICE gewuchtet zu haben, ist das nicht wirklich angenehm. Außerdem sollte es bei den inzwischen selbst mit Bahncard gepfefferten Preisen doch möglich sein, für eine vernünftige Anbindung zu sorgen.

Die lukrativen Strecke Augsburg-München bleibt natürlich gut befahren, für ein immer noch staatlich subventioniertes Unternehmen arbeitet die Bahn sehr zielstrebig daran unlukrative Streckenabschnitte auszuklammern, anstatt für gute Anbindungen zu sorgen. Es spricht nicht viel für den Arbeitsplatzstandort Deutschland, wenn sogar die drittgrößte Stadt Bayerns mit schlechten Bahnanbindungen zu kämpfen hat. Augsburg rückt wieder einen Schritt näher an die Provinz, diesmal aber ohne eigene Schuld wohlgemerkt!