Es wurde ja vor meiner Chinareise sehr viel über das Essen gesprochen. Dabei wurden sämtliche Vorurteile angeführt die es gibt, von: “In China essen sie Hunde” bis “In China essen die einfach alles”. Ich kann nun sagen, eigentlich stimmt alles, was man sich so ausmalt – nur es schmeckt alles wirklich wunderbar. Einzig die Essgewohnheiten sind etwas gewöhnungsbedürftig.
Gleich nach der Ankunft in Shanghai wurden wir in ein sehr gutes Restaurant geschleift, indem laut einem Foto im Aufzug auch George Bush Senior mehrmals mit Frau gespeist haben soll. Eine geschlagene Stunde warteten wir auf einen Tisch, was die Exklusivität nochmals unterstrich. Als wir dann an unseren großen Tisch geführt wurden, erwartete uns allerdings der erste Kulturschock unserer Reise. Völlig zugemüllt war der Tisch, überall lagen Schalen von irgendwelchen seltsamen Tieren, Schneckengehäuse und andere Essensreste auf der Tischdecke verstreut. Noch Hunger? Irgendwie nicht.
Unterstützt wurde das Gefühl noch durch die Art und Weise, wie der Tisch abgeräumt wurde. Das Geschirr landete in einem Plastikbehälter, der Müll wurde einfach samt Tischdecke zusammengerafft und in einen Sack gesteckt. Der Tisch wurde dann notdürftig geputzt, was bedeutet, dass einfach etwas Wasser über den Tisch gekippt wird. Dann kommt nur noch eine neue Tischdecke rauf, die gläserne Drehplatte in die Mitte und das Gedeck bereitgestellt. Ready to go!
Dank bebilderter Karte geht das bestellen recht schnell von statten. Einfach zwei verschiedene Speisen pro Person bestellt und das schlemmen kann beginnen. Wobei das ein ungefährer Richtwert ist und mit Speisen keine westlichen Speisen gemeint sind. Man bestellt in China immer nur einzelne Portionen bestimmter Lebewesen oder von bestimmten Gemüse. Am Ende hat man mehrere Portionrn auf der Drehscheibe stehen und frisst sich quer durch alle Teller. Mal von den Nudeln, mal von dem Gemüse, mal von den Fleisch oder den höllisch scharfen Bohnen, dann noch die Muscheln, Schnecken und die sonstigen Kriechtiere. Was sich teilweise eklig anhört schmeckt teilweise einfach nur göttlich. Die leckeren Soßen und viel Knoblauch machen es möglich. Wenn etwas wirklich mal nicht schmecken sollte, dann isst man es einfach nicht, es steht ja noch genug anderes auf der Platte.
Als besonders lecker hat sich bisher die Pekingente entpuppt, die direkt am Tisch auseinander genommen wurde. Gegessen wird die Ente in einer Art Dürüm-Döner-Teig in dem das Fleisch eingewickelt wird. Ein Schritt für Schritt Tutorial findet ihr bei den Fotos. Wirklich lecker.
Was mir bisher völlig unbekannt war, stand heute in Suzhou auf der Speisekarte. Wir haben das Ding einfach mal explodierten Fisch getauft. Irgendwie schaffen es die Köche einen Mandarinfisch zu entgreten und völlig umzukrempeln. Das sieht völlig irre aus und schmeckt wie ein Gott in Fischgestalt. Das beste was ich bisher hier essen durfte.
Übrigens sieht unser Tisch nach vollzogener Mahlzeit regelmäßig so vollgesaut aus, wie der anfangs erwähnte Tisch. Insofern kann ich den Chinesen da nichts vorwerfen, es ist einfach verdammt schwer ein dickes Stück Fleisch oder eine Schnecke mit Stäbchen auf den eigenen Teller zu verfrachten. Kleckern, Krümeln und fallen lassen gehört einfach zum Essen in China dazu, da sollte man sich keine Gedanken machen. Essen sieht hier nur am Anfang etwas abstoßend aus, ist aber einfach nur lecker.
Die Devise für Essen in China heißt also: Augen zu und durch! Sonst verpasst man wirklich absolut köstliche Leckerbissen. Was ich auf jeden Fall noch kosten möchte ist ein dicker Ochsenfrosch und lebende Schrimps. Jedenfalls wurde mir geraten das mal zu probieren.
Allen, die jetzt an Übelkeit leiden und nie mehr von China hören wollen, sei noch gesagt, dass es auch “normales” Essen in China gibt. Von Spaghetti Bolognese bis Weißwurst mit Sauerkraut kann man einfach alles zu Essen bestellen, worauf man Lust hat. Insofern stimmt das Klischee also: In China essen die einfach alles.