Augsburg bewegt sich. Überall wird gebaut, auf- und abgerissen, zugeschmiert und neu gemacht. Es entstehen neue Umgehungsstraßen, das Kopfsteinpflaster am Rathausplatz wird erneuert und die Arbeiten für die neuen Straßenbahnlinien kommen so langsam in die Gänge überall rattert und knattert es. Schwerpunkt ist der öffentliche Personennahverkehr. Sehr löblich das Ganze, Augsburg ist eh eine sehr grüne Stadt.
Neben den funktionierenden ÖPNV bin ich tagtäglich am liebsten mit dem Rad unterwegs. Alle wichtigen Ziele sind von meiner Wohnung in maximal 15 Minuten zu erreichen, schneller ist der Bus oder die Tram auch nicht. Leider ist Fahrrad fahren in Augsburg nicht so komfortabel, wie das Tram fahren. Der heimische Drahtesel-Besitzer kann da nur neidisch nach Fahrradmetropolen wie Münster oder Kiel schielen.
Augsburgs Fahrradwege, wenn denn vorhanden, sind stellenweise in desolatem Zustand, was mir immer wieder durch mein schmerzendes Gesäß in Erinnerung gerufen wird. Es gibt viel zu wenig Fahrradstellplätze, wie jeder beipflichten wird, der mal an einem der Bahnhöfe sein Rad abstellen wollte. Und wo wir schon bei zu wenig Platz sind, auch auf den Straßen ist häufig zu wenig Platz für die Radfahrer. Ich hab immer etwas Bedenken, wenn ich den Milchberg runter schieße, denn dank Straßenbahnschienen hat der Radler nicht mal einen halben Meter für die Talfahrt. Diese schmale Schneise ist dann auch noch mit Schlaglöchern übersät – jedes Mal ein Abenteuer dort zu radeln.
Eigentlich ist es immer abenteuerlich, durch Augsburg zu radeln. Allein heute wurde mir sicherlich an die 10 Mal die Vorfahrt genommen, meine Fahrbahn durch abbiegende oder parkende Autos versperrt oder einfach nur gefährlich dicht vorbeigefahren.
Aber nicht nur die Autofahrer bestechen durch ihre Ignoranz, auch die Radfahrer hier fallen immer wieder mit haarsträubenden Aktionen auf. Zwei schnatternde Rad fahrende Damen nahmen mir bei Tempo 30 die Vorfahrt. Dank Vollbremsung konnte ich Schlimmeres verhindern, was die zwei „Augschburgerinnen“ überhaupt nicht wahrnahmen. Genauso wenig wie ein Großteil der Radler die neuen Fahrradspuren auf der Haunstetter Straße zwischen Rote-Torwall-Straße und Inverness-Allee zu ignorieren scheint. Da investiert die Stadt viel Geld für uns Radfahrer und wie wird’s gedankt? Mit stoischer Ignoranz – typisch. Ich radle jedenfalls grundsätzlich allein auf der Spur, der Rest nutzt die inzwischen offiziell ausgewiesenen Gehwege. Die Stadt muss jetzt noch mehr Geld investieren, um die Radfahrer auf den Radweg zu bringen.
Auch wenn es sich bisher nicht so liest, ich fahre gern Rad in Augsburg. Vielleicht liegt das allerdings daran, dass ich stark befahrene Straßen meide und zur Uni sowieso durch die Siebentisch-Anlage fahre. Die neuen Radwege und die weiteren Planungen der Stadt, die auch ein Fahrradparkhaus am Bahnhof enthalten, lassen auch eine durchaus positive Entwicklung erkennen. Um wirklich eine fahrradfreundliche Stadt zu werden, bleibt noch viel zu tun – auch bei der Verkehrserziehung der Bürger. Trotzdem: Augsburg bewegt sich.