09.
Januar
2008
Fürs Leben in Bayern muss man schon gewappnet sein und starke Nackenmuskeln haben, schließlich gibt es nirgendwo sonst in Deutschland so viele Gründe zum Kopfschütteln.
Wenn hochtrabend davon gesprochen wird, dass religiöse Gefühle “schwerwiegend verletzt” worden sind, dann wird man ja in Zeiten, in denen Mohammedkarikaturen gern mal zu Flaggenverbrennen und Mediengeschwurbel führen, schnell hellhörig. Diesmal stammen sie aber nicht von einem Imam sondern von einem Würdenträger der größten christlichen Sekte. Es hat nun keiner auf ein Kreuz uriniert oder eine Kirche angezündet, was verständlicherweise für Gläubige sehr verletzten wäre – weit gefehlt.
Die Wahrheit ist viel skurriler: Der erzkonservative Prälat Wilhelm Imkamp, seines Zeichens Direktor des bekannten bayerisch-schwäbischen Marienwallfahrtsortes Maria Vesperbild fand, als er die Zeitung am Morgen aufschlug, eine kleine Werbebroschüre des örtlichen Supermarktes “schwerwiegend verletzend”. Darin waren nämlich Faschingskostüme in Form von Nonnen- und Mönchskostümen zu sehen.
“Verächtlichmachung!”, schimpft der Domspatz da natürlich und forderte Vergeltung. Und da wir hier in Bayern und nicht in einer Demokratie leben, wurden die Kostüme schnellstens aus dem Sortiment genommen und der Domspatz pfeift: “Ich bin mehr als zufrieden.”
Na dann wollen wir mal hoffen, dass morgen nicht die Piraten, Afroträger, Teufelchen, Clowns und Cowboys nicht bei Penny auf der Matte stehen und sich tief verletzt fühlen – wäre irgendwie ein langweiliger Karneval/Fasching…
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