Alle Beiträge mit dem Tag: Filmkritik


Nur weil ich gerade am anderen Ende der Welt bin, heißt das ja nicht, dass ich nicht auch mal wieder eine kleine Filmkritik schreiben könnte. Thematisch passend zu meiner Zeit hier in Peking ist wohl der Film Boomtown Beijing, der an diesem Wochenende in Peking gezeigt wird.

Peking hat sich durch die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in den vergangen sieben Jahren so unglaublich verändert, so schnell und radikal, dass es sich einfach anbietet, einen Film über die Stadt zu machen. Im Dokumentarfilm Boomtown Beijing möchte die Regisseurin Tan Siok Siok einen Kontrast zu dieser olympischen Glitzerfassade zeigen. Dazu begleitet sie vier normale Einwohner der Millionenstadt und zeigt, was Olympia 2008 für sie bedeutet und wie sie sich vorbereiten.

Da ist der Taxifahrer Xu Qing, der fleißig Englisch lernt, um seinen Fahrgästen besser zu Diensten zu sein. Nebenbei sieht er quasi im Vorbeifahren, wie sehr sich die Stadt Tag für Tag verändert. Der Straßenfeger Liu Zhi möchte gerne eine Kunstperformance in seinem Stadtteil organisieren und diese am 400. Tag vor den Olympischen Spielen aufführen. Zhou Bo Wen Rui ist bei einer Schulveranstaltung der olympische Engel, der die Fackel entzündet. Er träumt davon, beim echten Fackellauf mitzumachen.

In der stärksten Episode begleitet man den fast blinden Athleten Zhao Hong Bo, der seine Chance auf eine Goldmedaille bei den Paralympics nutzen möchte. Es ist seine letzte Möglichkeit, denn einerseits ist er schon 37 Jahre alt und andererseits wird sein Augenlicht immer schwächer. Bei ihm wird die Idee der Regisseurin den olympischen Traum aus Sicht von normalen Chinesen zu zeigen am besten umgesetzt. Wenn der Athlet erklärt, er tue das auch für seinen Sohn, damit er stolz auf ihn sein kann, dann ist das schon ein sehr erhebender Moment.

Leider sind nicht alle Episoden so gelungen. Der Taxifahrer bleibt zu blass und kann kaum mit den Fahrern mithalten, denen ich hier schon begegnet bin. Vor allem aber bleibt sein Motiv, sein olympic dream völlig verborgen. Er bereitet sich zwar akribisch auf die Spiele vor, aber außer monetären Gründen, scheint er keine weiteren Motive zu haben.

Der kleine Junge, der so sehr Fackelträger werden möchte und der alte Straßenkehrer sind unglaublich sympathisch, aber leider bleiben auch ihre Motive verborgen. Was bedeuten die Olympischen Spiele denn für sie? Wo liegen die Gründe für ihren olympischen Traum. Das sind dann leider verpasste Möglichkeiten, die Siok Siok nicht nutzt.

Trotzdem ist Boomtown Beijing ein toller Dokumentarfilm geworden. Er bietet einen faszinierenden Einblick in den Alltag und die Ambitionen von einfachen Bewohnern Pekings vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele. Ein paar skurrile Momente sind natürlich auch dabei. Also durchaus interessant der Film: Ansehen, wenn man die Möglichkeit dazu hat!

Ihr könnt die junge Frau mit Ihrem Film ja auch mal nach Augsburg einladen, wir haben doch so viele schöne Kinos :)

Lars und die Frauen (USA 2007)
Regie:
Craig Gillespie
Drehbuch:
Nancy Oliver
Darsteller: Ryan Gosling, Patricia Clarkson, Emily Mortimer
Länge: 106 Minuten
Voting
+++++
5 Sterne bei 5 Stimmen

Lars (Ryan Gosling) ist ein wenig seltsam, damit hat sich sein Bruder Gus (Paul Schneider) schon abgefunden, seine Frau Karin (Emily Mortimer) wird jedoch nicht müde ihn immer wieder zum Essen einzuladen. Lars schlägt die Angebote immer wieder aus, er ist lieber allein.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Gus und Karin unglaublich freuen, als Lars verkündet, er habe eine Freundin. Die Freude verfliegt allerdings schnell wieder, als sie erkennen, wem Lars sein Herz geschenkt hat: Bianca – einer lebensechten Gummipuppe, die er im Internet bestellt hat!

Die Ärztin des Ortes (Patricia Clarkson) diagnostiziert Wahnvorstellung und empfiehlt den beiden, dass sie mitspielen, um Lars zu heilen. So beginnen die Bewohner des kleinen Ortes, in dem Lars lebt, Bianca tatsächlich als echten Menschen zu behandeln. Aber das verkompliziert die Beziehung zwischen Bianca und Lars zunehmend. Bis die Geschichte eine tragische Wendung nimmt…

Soweit zur Story, die augenscheinlich eine Menge Platz für Zoten lässt – schließlich geht es um eine vollfunktionsfähige Sexpuppe. Dankenswerterweise verzichtet Regisseur Craig Gillespie auf solch effekthaschende platten Witze und erzählt in einem absolut unamerikanischen Film die Geschichte eines liebenswerten Eigenbrötlers auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.

Das dies gelingt liegt nicht nur an den schönen ruhigen Kamerabildern, die uns völlig unaufgeregt das Leben in der verschneiten nordamerikanischen Stadt zeigen, sondern zu großen Teilen an einen wunderbar aufspielenden Ryan Gosling. Der Zuschauer kann nicht anders als diesen immer etwas schief und verschüchtern grinsenden Burschen zu mögen. Schließlich ist er trotz seines zurückgezogenen Lebens und unglaublich schlechten Klamottengeschmacks ein höflicher und beliebter Mitbürger.

Stück für Stück entblättert sich Lars’ verstörte Seele, als er beginnt regelmäßig mit Bianca zum Arzt zu gehen. Der Vorwand Bianca sei krank und brauch eine langfristige Behandlung ermöglicht es der Ärztin des Ortes Lars besser zu verstehen. Dank der wirklich grandiosen Patricia Clarkson funktionieren diese Dialog trotz skurriler Themen hervorragend. Es sind diese Momente, die den Film seine Tiefe verleihen. Auch wenn es fast klischeehaft anmutet, dass beide Arzt und Patient beginnen viel von sich Preis zu geben.

Zu viel will ich über den Film gar nicht verraten, der gerade davon lebt, dass er den Charakter von Lars wie eine Zwiebel immer weiter schält, bis die Motive des jungen Mannes offen liegen. Es ist jedenfalls ein rührender, witziger und skurriler Weg bis dorthin.

Fazit: Ein toller Film, den ich in der Form eher aus Schweden oder Dänemark erwartet hätte aber nicht aus den USA. Ein durch die Bank klasse besetztes Schauspieler-Ensemble haucht dem kleinen Kaff so sympathisch Leben ein, dass man gerne dort Leben würde und der Hauptdarsteller spielt so wunderbar, dass ich mich wundere, warum er “nur” den Golden Globe für diese Rolle gewonnen hat. Gosling ist ein Schauspieler den man unbedingt im Auge behalten sollte.

Wer also mal wieder ein wenig Lust auf einen Feel-Good-Movie hat, der sollte sich Lars und die Frauen nicht entgehen lassen.

5 von 5 Popcorn-Tüten für einen durch und durch sympathischen Film mit tollen Darstellern und einer skurrilen und doch ernsten Geschichte. Unbedingt ansehen!
großartig
Schwarze Schafe(BRD 2006)
Regie:
Oliver Rihs
Drehbuch:
Oliver Rihs u.a.
Darsteller: Marc Hosemann, Milan Peschel, Jule Böwe
Länge: 94 Minuten
Voting
++++-
4.7 Sterne bei 3 Stimmen

„Über Geschmack kann man nicht streiten. Deswegen heißt es ja Geschmack!“ Es ist schön, wenn der Film den man beschreiben möchte, auch gleich ein treffendes Zitat mitliefert. Es ist genau diese unbefriedigende Geschmacksfrage, die letztlich entscheiden wird, ob Schwarze Schafe ein Erfolg sein wird oder nicht. Denn Schwarze Schafe ist ziemlich böse, geschmacklos und irgendwie auch ziemlich eklig.

„Der Film ist eigentlich eine Liebeserklärung an Berlin“, gesteht Regisseur Oliver Rihs. Allerdings genauso „rotzig-schräg“, wie die Menschen die in dieser Stadt leben, schiebt er noch schmunzelnd hinzu, als er am Samstag im Augsburger Thalia seinen Film präsentiert. Das erklärt dann doch so einiges – beispieslweise die seltsamen Charaktere, die den Film bevölkern.

In mehreren Episoden gelingt es Rihs tatsächlich, fast alle seltsamen Berliner Minderheiten zu portraitieren. Da wären die allgegenwärtigen Pseudo-Reovluzzer, die Berlin seit seeligen Mauer-Zeiten bevölkern: Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) zwei junge dauerbekiffte Möchtegern-68er, lamentieren über Weltpolitik, Drogen und wie sie ihr Leben noch vereinfachen könnten. Drei junge Türken (Eralp Üzun, Oktay Özdemir, Richard Hanschmann), machen das, was sie am besten können, über Sex reden, aber keinen haben. Ein Looser-Pärchen (Jule Böwe, Milan Peschel) bemerkt, dass sie nicht aus ihren Leben ausbrechen können und es nichts bringt, zu tun als sein man so kultiviert, wie die Münchner.

So kultiviert kann Boris (Marc Hosemann) zwar sein, aber nur, weil er ein Hochstapler ist und sich so eine Luxusnacht in einem Luxushotel mit einer Luxusfrau verschafft. Die Fassade bröckelt aber, als er bemerkt, dass er gerade seiner Traumfrau begegnet ist und er beschließt, sein Leben radikal zu ändern. Das wollen die zwei Möchtegern-Satanisten Fred (Kirk Kirchberger) und Arnold (Daniel Zillmann) auch, aber sie brauchen dafür ein Opfer für den Fürsten der Finsternis. Als eine Prostituierte ihnen nicht weiterhelfen kann und Anwerbungsversuche auf dem Spielplatz in einer Schmach für die beiden endet, greifen sie zur Notlösung: die im Koma liegende Oma von Arnold.

Auch wenn es sich nicht so anhört, in wirklich jeder Episode wird mindestens ein Tabu gebrochen, mindestens eine Körperflüssigkeit vergossen und dann noch mal eins draufgesetzt. Das ist nichts für zartbesaitete Gemüter und überzeugte Münchner. Auch wenn nicht alle Episoden wirklich gut sind, schwingt doch in allen die beschwingte Leichtigkeit der Filmemacher mit. Die beiden Schweizer Rihs und der Kameramann Olivier Kolb finanzierten ihre Liebeserklärung an Berlin erst aus eigener Tasche. Als Spaßprojekt gestartet versammelten sie dazu eine illustre Schauspielerschar, die sogar ohne Gage am Film mitwirkten. So kommt man dann auch in den Genuss, Frank Giering als Türsteher des Kit-Kat-Klubs zu sehen.

Es sind solch kleine Details, die den Film für mich über die schwachen Momente rettet. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schwarze Schafe eben nur ein guter Film, aber kein brillanter Film geworden ist. Vielleicht wird einfach ein Tabut zu viel gebrochen, um wirklich noch unbeschwert zu wirken.

Fazit: Was soll ich denn hier nun schreiben? Wie eingangs erwähnt, über Geschmack lässt sich nicht streiten, auch nicht über einen betont geschmacklosen Film wie Schwarze Schafe nicht. Für Menschen, die wirklich die wahre Wahrheit über Berlin erfahren möchten, die sollten sich den Film auf jeden Fall ansehen. Aber wenn man mit Kotzen, Scheißen und Oma-Penetrieren auf der Leinwand Probleme hat, sollte man Schwarze Schafe meiden. Unentschlossenen sei die Webseite des Films zu empfehlen, da gibts ein paar Szenen zum probesehen.

4 von 5 Popcorn-Tüten: Unterhaltsamer Trash mit liebenswerten Charakteren, denen man ihre Schweinereien gerne verzeiht.
sehenswertl
Am Ende kommen die Touristen(BRD 2007)
Regie:
Robert Thalheim
Drehbuch:
Robert Thalheim
Darsteller: Alexander Fehling, Ryszard Ronczewski, Barbara Wysocka
Länge: 85 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>
Ab 16. August im Kino.

Ausgerechnet Oświęcim! In diesem polnischen Kaff soll Sven (Alexander Fehling) die nächsten 12 Monate seines Lebens verbringen – als Zivildienstleistender. Das wäre an sich völlig unspektakulär, wären in der Nähe des kleinen Kaffs nicht über eine Millionen Menschen ermordet worden. Zur Zeit deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die polnische Stadt Auschwitz genannt.

Das KZ ist für Sven unausweichlich, nicht nur, da er in der Begegnungsstätte für Jugendliche arbeitet. Er muss sich auch um den alten KZ-Überlebenden Stanislaw Krzeminski (Ryszard Ronczewski) kümmern, der mit einem deutschen Pfleger überhaupt nicht einverstanden ist. Trotzdem kommt es für ihn zum Kulturbruch. Als er bei der jungen Polin Anja (Barbara Wysocka)zur Untermiete einzieht, lernt er, dass es in Oświęcim auch ein Leben nach Auschwitz gibt. Dass dieses Mahnmal der Geschichte auch einen Platz im Hier und Heute hat. Eine zarte Liebe beginnt zwischen Sven und Anja zu knospen, als sie die Realität wieder einholt. Sven muss sich entscheiden, wie sein Leben weiterverlaufen soll.
weiterlesen…

Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007)
Regie:
David Fincher
Drehbuch:
James Vanderbilt, Robert Graysmith
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr.
Länge: 158 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

This is the Zodiac speaking…

David Fincher ist nach 5-jähriger Pause wieder da und meldet sich gleich mit einem Paukenschlag zurück aus der Versenkung. Der Regisseur, der uns mit Klassikern wie Sieben, Fight Club und The Game versorgte, hatte sich mit Panic Room anscheinend in eine kreative Sackgasse begeben, die eine längere Pause rechtfertigte. Nun ist er wieder da und überrascht den staunenden Zuschauer mit Zodiac. Einem Film, der völlig anders ist, als viele ihn erwartet haben.

Die Story verspricht eigentlich einen weiteren Thriller in bester Sieben-Tradition. 1968 beginnt im Großraum San Francisco eine unheimliche Mordserie, die ganz Amerika in Angst und Schrecken versetzten und einen der berühmtesten Serienkiller der Geschichte hervorbringen sollte: den Zodiac-Killer. Der mysteriöse Mörder beginnt ein Katz- und Mausspiel mit der Presse und der Polizei, schickt Briefe und verschlüsselte Botschaften, verspottet sie darin und sorgt mit dieser öffentlich zu Schau getragenen Kaltschnäuzigkeit dafür, dass er schnell zum Jack the Ripper der USA aufsteigt. Ein unheimliches Phantom, das bis heute nicht enttarnt worden ist.

Es ist wieder das Spiel mit der Angst und den Abgründen der menschlichen Gesellschaft, die Fincher zum Thema seines Filmes macht, doch diesmal ist irgendwie alles anders. Wenige verspielte visuelle Effekte und unmöglichen Kamerafahrten, wie man sie von ihm gewohnt ist – der Stil ist ruhig, fast schon beängstigend realistisch. Auch die Perspektive, aus der er sich dem Zodiac-Fall nähert, ist anders als erwartet. Fincher drehte hier keinen Film über einen Killer, er drehte einen Film über Menschen, die diesen Killer jagen – nur, um daran zu zerbrechen.
weiterlesen…

Cashback (UK 2006)
Regie:
Sean Ellis
Drehbuch:
Sean Ellis
Darsteller: Sean Biggerstaff, Emilia Fox, Sean Higgins
Länge: 109 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

Es gibt Filme, die sind so unglaublich unspektakulär und ruhig, dass es eigentlich verwunderlich ist, warum einem gerade diese in Erinnerung bleiben.

Ben Willis (Sean Biggerstaff) hat Zeit, viel Zeit. Nach der Trennung von seiner Freundin wird der Student von Schlaflosigkeit geplagt, seine Gedanken kreisen nur um seine verflossene Liebe. Um sich abzulenken und die schlaflose Zeit sinnvoll zu nutzen, nimmt er einen Job in der Nachtschicht eines Supermarktes an. Dieser wird von skurrilen Mitarbeitern bevölkert, allen voran der egozentrische Boss Jenkins (Stuart Goodwin).
Eines Nachts entdeckt der gelangweilte Ben, dass er aus unerfindlichen Gründen die Zeit anhalten kann. Was tut ein Mensch, der zu viel Zeit hat, mit noch mehr Zeit? Ben bemerkt, dass er trotz seines Übermaßes an Zeit, sein Leben ungenutzt vorüberfließt. Er versucht sein Leben endlich in die Hand zu nehmen.
weiterlesen…

Prestige (USA/UK 2006)
Regie:
Christopher Nolan
Drehbuch:
Christopher Priest
Darsteller: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine
Länge: 128 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

Schauen sie genau hin! Die Werbezeile des neuen Films von Christopher Nolan solltet ihr schnell wieder vergessen, den sonst könnte es passieren, dass ihr den überraschenden Schluss von Prestige bereits am Anfang des Films erratet.

Im viktorianischen England des ausgehenden 19. Jahrhunderts sucht das Volk Zerstreuung vom Fabrikarbeiteralltag und findet es in den unzähligen Varieté-Shows, besonders bei den Zaubervorstellungen. Die beiden besten Magier dieser Zeit stehen sich als erbitterte Feinde gegenüber: Alfred Bordon (Christian Bale) ein erfinderischer Bastler, der auf der Suche nach dem größten Zaubertrick aller Zeiten den „Transportierten Mann“ kreiert und Robert Angier (Hugh Jackman), als Erfinder weniger begabt, aber auf der Bühne dem zurückhaltenden Borden völlig überlegen.

Beide verbindet ein tragisches Ereignis: Als sie noch gemeinsam auf der Bühne standen, verursachte Bordon den Tod von Angiers Ehefrau. Seit dem versuchen sich die beiden Magier gegenseitig auszuspielen, werden dabei zwar immer erfolgreicher aber auch skrupelloser. Doch Angier will schon lange nicht mehr den Tod seiner Frau rächen, er will Bordons Meisterstück: den “Transportierten Mann”. Dass er dabei sprichwörtlich über Leichen geht, wird dem Zuschauer erst nach und nach klar.

Die Geschichte so zusammenzufassen, dass nicht zu viel verraten wird und dennoch genug zu erzählen, um Interesse zu wecken, ist äußerst schwer. Wer Nolan kennt, ist allerdings daran gewöhnt, bereits mit Memento schuf er einen schwer zu beschreibenden Film, der auf ungewöhnliche Weise auf einen äußerst abwegigen Schluss (oder besser Anfang) hinsteuerte. Nun halte ich es wie ein Zauberer und verrate nichts über die falschen Hinweise und Illusionen, die Nolan anwendet, um den Zuschauer zu verwirren.
weiterlesen…

Babel (USA/Mexiko 2006)
Regie:
Alejandro González Iñárritu
Drehbuch:
Guillermo Arriaga
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Gael García Bernal
Länge: 142 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

Wieder ein Unfall. Nach Amores Perros und 21 Gramms ist auch in Alejandro González Iñárritus neusten Film ein Unfall das Bindeglied zwischen verschiedenen Episoden mit sich unbekannten Protagonisten. Babel ist aber größer als seine beiden Vorgänger, denn diesmal spielen die einzelnen Episoden nicht nur in einer Stadt sondern gleich auf drei Kontinenten.

Aus purer Langeweile und Überheblichkeit schießen zwei Hirtenjungen mitten in der marokkanischen Wüste auf einen Touristenbus – nur um zu testen, ob das Gewehr auch wirklich so weit schießt, wie der alte Verkäufer vorher gesagt hatte. Dass sie mit ihrem Schuss aus Versehen eine amerikanische Touristin (Cate Blanchett) angeschossen haben, erfahren die beiden erst durch ihren Vater. Da ist ihnen die Polizei aber bereits auf den Fersen.

Susan, die Angeschossene, kämpft derweil um ihr Überleben und ihr Mann Richard (Brad Pitt) versucht verzweifelt sie in ein Krankenhaus zu verfrachten. Das fehlt allerdings in der näheren Umgebung und so verfrachten sie die verletzte Frau erst einmal in ein nahe gelegenes Dorf. Dort angekommen hat der Ehemann aber nicht nur mit marokkanischer und amerikanischer Bürokratie zu kämpfen, sondern auch mit den übrigen Fahrgästen des Busses, die das ihnen unheimliche Dorf schnellstmöglich verlassen wollen. Doch ein Abtransport in ein Krankenhaus scheint in immer weitere Ferne zu rücken.

Das ist auch ein Problem für die Haushälterin Amelia (Adriana Barraza), die Richards und Susans Kinder in Amerika hütet. Wollte sie doch zur Hochzeit ihres Sohnes nach Mexiko fahren. Nach verzweifelten Versuchen die Kinder irgendwo unterzubekommen, nimmt sie die beiden kurzerhand mit zur Hochzeit. Die Heimfahrt zurück in die Staaten entwickelt sich aber durch Amilias ungestümen Neffen Santiago (Gael García Bernal) in eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und endet damit, dass die Haushälterin und die Kinder allein in der Wüste stehen – ohne den geringsten Tropfen Wasser.

Das Gewehr, das diese Kette unglücklicher Umstände in Gang setzte, stammt von einem japanischen Unternehmer mit einer taubstummen Tochter. Chieko (Rinko Kikuchi) ist Gerade im Teenager-Alter: voller Wut auf ihre Umwelt, die sie nicht versteht und voller sexuellem Verlangen, dass sie zu immer extremeren Verhalten treibt.
weiterlesen…

Departed – Unter Feinden (USA 2006)
Regie:
Martin Scorsese
Drehbuch:
William Monahan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson
Länge: 151 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

Martin Scorsese ist ein unglaublich vielseitiger Filmemacher. Er drehte historische Liebesfilme, Musicals, Komödien, Bio-Pics über Howard Hughes und den Dalai Lama. Aber richtig zu Höchstform läuft er aber nur in Mafia-Filmen auf. So ist sein neuester Mafia-Film Departed wieder das, was seine letzten Filme nicht waren: hartes, schonungsloses Kino mit Tiefgang.

In dem Thriller geht es um zwei junge Polizisten, beide frisch von der Akademie, deren Schicksale miteinander verbunden sind. Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) wird wegen seiner kriminellen Vergangenheit bei Gangsterboss Frank Costello (Jack Nicholson) eingeschleust, um ihn zu bespitzeln.
Der andere, Colin Sullivan (Matt Damon), steigt wegen seiner makellosen Akte schnell bei der Polizei auf. Doch ist er, von klein auf durch Costello gefördert, ein Spitzel des Gangsterbosses. Keiner scheint das zu sein, was in seiner Akte steht.
Als in beiden Parteien bekannt wird, dass es einen Spitzel in ihren Reihen gibt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, jeder möchte den anderen zuerst auffliegen lassen.
weiterlesen…

Casino Royal (USA 2006)
Regie:
Martin Campbell
Drehbuch:
Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen
Länge: 144 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>

Es ist alles so wie immer, als James seinen Martini an der Bar bestellt: schwarzes Dinner-Jackett, weißes Hemd und Fliege in noblem Ambiente. Doch wenn er auf die Frage, ob gerührt oder geschüttelt, Seh’ ich so aus, als ob mich das interessiert antwortet, wird klar, es ist einiges anders im neusten Bond-Film. Willkommen in Casino Royal.

Erzählt wird das erste große Abenteuer des berühmtesten Agenten der Filmgeschichte: Seine Berufung zum Doppelnull-Agenten wird in grobkörnigen Schwarzweis-Bildern in den ersten 15 Minuten des Films erzählt. Danach sehen wir sehen einen jungen Heißsporn, der nicht davor zurückschreckt eine Botschaft in Stücke zu schießen und sich nicht um die Konsequenzen zu scheren scheint. Doch genau das bringt ihn auf die Spur von Le Chiffre (Mads Mikkelsen)einen, sagen wir mal, „Finanzdienstleister“. Dieser spekuliert durchaus unorthodox mit Geld von Terroristen an der Börse. Doch diesmal hat er die Rechnung ohne 007 gemacht und plötzlich fehlen Le Chiffre 100 Millionen Dollar. Da das seinen Geldgebern natürlich gar nicht gefällt, veranstaltet das Zahlen- und Pokergenie ein hochdotiertes Pokerturnier. James Bond der zufällig beste Pokerspieler des MI6 ist, wird natürlich angesetzt, um Le Chiffre das Handwerk zu legen.
weiterlesen…

Nächste Seite »