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An manchen Tagen ist es nicht leicht einen Blog zu führen. Genau dann nämlich, wenn sich Leser über die Kommentare melden, die ganz offensichtlich nicht kapieren was ein Blog ist – nämlich eine Plattform zur Verbreitung von ganz subjektiven Ansichten.

Dann heißt es aber plötzlich zu meiner Kritik zum Killerskonzert:

“nur weil einem Journalist an diesem Tag irgendwas quer saß, muss man nicht gleich solch eine (unberechtigte) Kritik schreiben.”

Im Paradebeispiel Tempolimit, gehts sowieso immer hoch her. Da schreibt mir Martin heute:

“Vielleicht sollten sie sich erst mal mit dem Thema ausführlich auseinandersetzen, bevor sie schreiben.”

Ich beschäftige mich ja nun nicht erst seit gestern mit Weblogs und habe derzeit jede Menge Studien zum Thema gelesen und die Zahlen sagen alle, dass Weblogs in Deutschland zwar nicht so angesagt sind wie in anderen Ländern, aber das sie dennoch dem Großteil der Internetnutzer bekannt sind.

Ich weiß ja, dass ich meine Meinungen hier einem potentiellen Massenpublikum zur Verfügung stelle, aber gelesen wird es doch nur von ein paar wenigen. Soll ich jetzt anfangen vor jedem Beitrag einen Disclaimer zu schreiben, der ausdrücklich darauf hinweist, dass das hier ein Blog ist? Eigentlich sollte das doch klar sein bei einem Titel wie ProvinzBLOG.

Ich hab ja nichts gegen Meinungspluralismus, der darf ja ruhig in den Kommentaren herrschen – das freut mich ja durchaus. Wenn man mich dann aber darauf hinweist, dass ich doch besser recherchieren sollte oder meine journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässige, dann nervt mich das wirklich. Ich propagiere hier nicht, dass meine Meinung die einzig wahre sei oder ich hier für die FAZ schreibe – das ist ein privater Blog mit persönlichen Geschichten und Meinungen.

Andere können ruhig behaupten Blogs sind die Zukunft des Journalismus, meine Meinung ist das nicht. Ich habe keine journalistischen Ansprüche an das Blog hier, ich bin kein Ersatz für eine Zeitung. Blogs sind in meinen Augen eher Ergänzung des alltäglichen Medienbetriebs, die kommentieren, kritisieren, richtig stellen und manchmal auch vervollständigen.

Also liebe Leser bringt ruhig Argumente an, aber spart mit Kritik an meiner journalistischen Sorgfaltspflicht, die beachte ich nämlich gar nicht.

Die Unruhen in Frankreich nehmen ja langsam ab, wie man aus allen Quellen entnehmen kann. Jedenfalls wenn es nach der neuen Krawall-Skala der Medien geht. Früher war das alles viel komplizierter, da wurde zu den 1. Mai-Krawallen wahlweise mit Pflastersteinen oder brennenden Mülltonnen gemessen.
Seit dem Beginn der Unruhen am 27. Oktober ist die Einheit der Krawallskala das brennende Auto. Überall ist es in den Medien präsent. Über die Krawalle ist ja auf Dauer auch nichts Neues zu sagen, wie es aussieht. Also wird in jeder Meldung die Anzahl von verbrannten Autos eingefügt, was dem geneigten Zuschauer sagt, wie schlimm die Ausschreitungen wieder waren. Vielleicht kommt ja auch bald eine Krawallvorschau, wie beim Wetterbericht, wird dann ein Karte eingeblendet, wo erkennbar wird, ob das geliebte Auto sicher steht oder nicht und wie viele Fahrzeuge voraussichtlich brennen werden.
Wie wichtig die Autos bei diesem derzeitigen Ausnahmezustand für die Medien zu sein scheinen konnte ich heute sehen, als ein ProSieben-Moderator auf dem Schrottplatz stand, um zu Zeigen wo denn die ausgebrannten Wagen hingebracht werden. Das nenn ich investigativen Journalismus.
Nun gut, ich bin gespannt auf die nächste große Nachricht, auf die sich unsere Presse stürzen kann. Die Vogelgrippe ist ja auch plötzlich verschwunden als ob sie nie da gewesen wäre… war sie überhaupt da…unheimlich…