27.
November
2007
Huch, was ist denn das für ein hochgeistiges Blabla, das ich da gerade lesen musste? Henryk M. Broder, der Superjournalist des Spiegels schreibt über Mario Barth und beginnt seinen Text doch tatsächlich mit:
“Sowohl die Haager Landkriegsordnung von 1899 als auch die Genfer Konvention von 1949 verbieten es, Gefangene zu quälen und zu demütigen. Zivilisten sollen geschont, unnötige Opfer vermieden werden.”
Puh! Das kann ja nicht gut ausgehen für den armen Mario und auch nicht für einen Barth-sympathisierenden Leser, wie mir. Mit diesem Text beginnt sodann auch mein sozialer Abstieg ins Prekariat. Laut Broder sind die Fans des Berliner Comedians nämlich Vokuhila- und Goldkettchenträger und mindestens in einer Reihe mit De Randfichten und Big Brother-Fans zu stellen. Aber eigentlich sei Barth “ein Kollateralschaden der Demokratie”.
Hier geht es übrigens nicht um einen kommunistischen Neo-Nazi-Diktator-Kinderschänder oder noch Schlimmeres, hier geht es um einen eigentlich recht harmlosen Komiker. Der hatte mit teilweise feiner Beobachtungsgabe den Alltag von Pärchen seziert und in herrlich komische Geschichten verpackt. Dank seiner grundsympathischen Art kam das dann auch bei ziemlich vielen Leuten sehr gut an. Unter anderem auch bei mir.
Nun kann man über Mario Barth auch anderer Meinung sein, auch ich kann nicht jeden Komiker leiden. Was einen gestandenen Journalisten aber treiben muss, so ein Geschwurbel vom Start zu lassen und so völlig an der Gesellschaft vorbeizuschreiben, kann ich mir nur schwer erklären. Ein bisschen seltsam mutet es dann allerdings doch an, dass er Barth als Proll-Komiker kritisiert und den Proll-König Dieter Bohlen kürzlich noch mit einer Lobeshymne ehrte.
Schuster bleib bei deinen Leisten möchte man da dem Henryk zurufen! Ich würde mich auch nicht anmaßen einen tiefschürfenden Beitrag über die deutsch-jüdischen Beziehungen zu schreiben. Aber wenn ich es versuchen würde, dann würde sicherlich nicht so ein völlig Inkompetentes: “Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, müsste ein Trabbi das erfolgreichste Auto aller Zeiten sein” heraus.
Mein Gott, ich schaue mir tatsächlich auch die Tagesthemen an, zappe mal bei arte vorbei und lese tatsächlich ab und an echte Zeitungen! Aus Papier! So richtig retro halt. Ich hab auch schon Nietzsche gelesen, Goethe, sogar Sachen von Henryk M. Broder und trotzdem kann ich über Mario Barth lachen! Wenn das keine Unterhaltung ist, was bitte dann?!
Jeder der eine Freundin/Frau hat, die Tupper-Dosen im Schrank hat, Möbel wie Bücher durch die Gegend schleppt und sich ständig darüber beklagt, dass Man(n) nie zuhört, der kann einfach über Mario Barth lachen. So schwer ist das doch nicht zu verstehen – oder? Und selbst die Armen Klischee geschädigten Frauen können herzahft über ihn lachen, echt jetzt.
Ich zumindest weiß nun, dass Mario ein neues Programm hat, das ich mir gerne anhöre – auch ohne Goldkettchen – und dass ich Spiegel Online so langsam wirklich nicht mehr besuchen brauche. Von allen schlechten Artikeln die auf Spiegel Online so stehen, steht dieses peinliche Machwerk doch tatsächlich sogar in der Printausgabe. Oh man. Armes Deutschland.
Ich seh schon die Schlagzeile: Der Spiegel – ein Kollateralschaden der Demokratie! Autor Henryk M. Brodeur.
PS: Warum kann ich mich eigentlich nicht so kurz fassen wie z.B. Bodo Wünsch zum Thema?

