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Huch, was ist denn das für ein hochgeistiges Blabla, das ich da gerade lesen musste? Henryk M. Broder, der Superjournalist des Spiegels schreibt über Mario Barth und beginnt seinen Text doch tatsächlich mit:

“Sowohl die Haager Landkriegsordnung von 1899 als auch die Genfer Konvention von 1949 verbieten es, Gefangene zu quälen und zu demütigen. Zivilisten sollen geschont, unnötige Opfer vermieden werden.”

Puh! Das kann ja nicht gut ausgehen für den armen Mario und auch nicht für einen Barth-sympathisierenden Leser, wie mir. Mit diesem Text beginnt sodann auch mein sozialer Abstieg ins Prekariat. Laut Broder sind die Fans des Berliner Comedians nämlich Vokuhila- und Goldkettchenträger und mindestens in einer Reihe mit De Randfichten und Big Brother-Fans zu stellen. Aber eigentlich sei Barth “ein Kollateralschaden der Demokratie”.

Hier geht es übrigens nicht um einen kommunistischen Neo-Nazi-Diktator-Kinderschänder oder noch Schlimmeres, hier geht es um einen eigentlich recht harmlosen Komiker. Der hatte mit teilweise feiner Beobachtungsgabe den Alltag von Pärchen seziert und in herrlich komische Geschichten verpackt. Dank seiner grundsympathischen Art kam das dann auch bei ziemlich vielen Leuten sehr gut an. Unter anderem auch bei mir.

Nun kann man über Mario Barth auch anderer Meinung sein, auch ich kann nicht jeden Komiker leiden. Was einen gestandenen Journalisten aber treiben muss, so ein Geschwurbel vom Start zu lassen und so völlig an der Gesellschaft vorbeizuschreiben, kann ich mir nur schwer erklären. Ein bisschen seltsam mutet es dann allerdings doch an, dass er Barth als Proll-Komiker kritisiert und den Proll-König Dieter Bohlen kürzlich noch mit einer Lobeshymne ehrte.

Schuster bleib bei deinen Leisten möchte man da dem Henryk zurufen! Ich würde mich auch nicht anmaßen einen tiefschürfenden Beitrag über die deutsch-jüdischen Beziehungen zu schreiben. Aber wenn ich es versuchen würde, dann würde sicherlich nicht so ein völlig Inkompetentes: “Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, müsste ein Trabbi das erfolgreichste Auto aller Zeiten sein” heraus.

Mein Gott, ich schaue mir tatsächlich auch die Tagesthemen an, zappe mal bei arte vorbei und lese tatsächlich ab und an echte Zeitungen! Aus Papier! So richtig retro halt. Ich hab auch schon Nietzsche gelesen, Goethe, sogar Sachen von Henryk M. Broder und trotzdem kann ich über Mario Barth lachen! Wenn das keine Unterhaltung ist, was bitte dann?!

Jeder der eine Freundin/Frau hat, die Tupper-Dosen im Schrank hat, Möbel wie Bücher durch die Gegend schleppt und sich ständig darüber beklagt, dass Man(n) nie zuhört, der kann einfach über Mario Barth lachen. So schwer ist das doch nicht zu verstehen – oder? Und selbst die Armen Klischee geschädigten Frauen können herzahft über ihn lachen, echt jetzt.

Ich zumindest weiß nun, dass Mario ein neues Programm hat, das ich mir gerne anhöre – auch ohne Goldkettchen – und dass ich Spiegel Online so langsam wirklich nicht mehr besuchen brauche. Von allen schlechten Artikeln die auf Spiegel Online so stehen, steht dieses peinliche Machwerk doch tatsächlich sogar in der Printausgabe. Oh man. Armes Deutschland.

Ich seh schon die Schlagzeile: Der Spiegel – ein Kollateralschaden der Demokratie! Autor Henryk M. Brodeur.

PS: Warum kann ich mich eigentlich nicht so kurz fassen wie z.B. Bodo Wünsch zum Thema?

Da feiern ihn seine Fans bei jedem Rennen, halten zu ihm bis zum Ende und dann erzählt Schumacher so was:

“Vermissen werde ich sicher die vielen schönen und schlechten Momente in der Formel 1. Dazu gehören sicher auch die Fans, die mich immer unterstützt haben.”

gefunden bei sport1.de

So schlecht sind seine Fans ja nun auch wieder nicht oder? Aber gut, verzeihen wir ihm diesen kleinen grammatikalischen Fehler, ich mach ja hier im Blog auch genug :D

Ich wünsch dem Michael einen schöne Zeit als Rentner!

George Bush arbeitet scheinbar an seiner zweiten Karriere: Nach dem unliebsamen Job als US-Präsident will er Kabarettist werden. Diesen Eindruck erweckt er jedenfalls bei seiner Labor-Day-Rede.

So baut er seinen besten Witz ganz professionell und behutsam auf. Zuerst kritisiert er die Abhängigkeit vom Öl, speziell vom ausländischen Öl:

Problem is, we get oil from some parts of the world, and they simply don’t like us

Toll, wie er das nach fast zwei Amtszeiten frei von der Leber weg sagen kann – da hat er das Publikum doch schon in der Tasche. Dann geht es konzentriert weiter, die Pointe wird aufgebaut:

The more dependent we are on that type of energy, the less likely it will be that we are able to compete and so people can have good-paying jobs.

Normales Politiker-Gelaber, geschickt baut Busch hier aber schon eine Brücke zum größten Brüller des Abends. Im Folgenden wirbt er für neue Technologien, wie das Hybrid-Auto und erneuerbaren Energie-Ressourcen. Das Publikum merkt schon, er will auf etwas ganz bestimmtes hinaus. Was dann folgt, ist ganz große Komiker-Schule:

“Nuclear power is safe, and nuclear power is clean, and nuclear power is renewable”

Genial! Ich hab lachend auf dem Boden gelegen. Wie brillant er auf diese Pointe hinarbeitet und das Publikum mit seinem Verweis auf Hybrid-Autos auf eine ganz andere Fährte führt. Der dann folgende Bruch mit der Atomenergie, einfach herrlich grotesk! Atomenergie: sauber, sicher und erneuerbar! Wie locker er diese Steigerung schafft und mit jedem Wort die Lacher-Quote erhöht! Der hat Talent der Bursche.

Ich komm gar nicht mehr raus aus dem Lachen… Was?… Wie?… Kein Scherz?… Bush ist kein Kabarettist? Oh…oooooh! Ja, dann ist das ja nur peinlich und gar nicht lustig…

…an solchen unaufregenden Urlaubstagen, wie diesen heute, fragt ich mich, wie es eine Zeitungsredaktion eigentlich schafft, ihre Seiten mit sinnvollen Nachrichten zu füllen.
Vielleicht ist das ja auch eine Stärke von Blogs, wenn’s nichts Berichtenswertes gibt, gibt’s auch keine Berichte. Frei nach dem Motto: Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Fresse halten.
Sollten sich manche Journalisten mal durch den Kopf gehen lassen…

In Form einer Serie werde ich hier den Worten meines Mitstreiters Stephan einen Platz einräumen, damit diese niemals dem Vergessen anheim fallen werden.

Epsiode 1: Bismarcks Denkfehler

Das “Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip” funktioniert auch nur solang nicht alle Diabetes haben.

Was waren das noch für Zeiten damals. Ewigkeiten scheint es schon her zu sein, als ich als kleiner Bub (wie man hier in Bayern ja sagt) mit meinen Brüdern und einen Tross von Freunden mit nichts als Holzschlitten bewaffnet auf den Rodelberg an den Lechfeldern zog. Vor Ort war schon ein ganzer Pulk anderer Kinder samt elterlichem Anhang, die mit dem stetigen Aufsteigen und Abfahren das Bild eines geschäftigen Ameisenhaufens vermittelten. Vorbei die Zeit, in der man mit dem simplen Holzschlitten in eisiger Kälte, das Risiko ernsthafter Knochenbrüche auf sich nahm und den Rodelberg auf der falschen Seite hinabfuhr. Da wo die ganzen Bäume dicht an dicht stehen. Ein Schlitten ist, soweit ich mich recht erinnere, durch eine Kollision an einer Eiche in Flammen aufgegangen (symbolisch gesehen).
rodelndes Kind
Nun, das ist Vergangenheit, doch warum komm ich gerade jetzt darauf?
Durch einen Spiegel-Online-Artikel natürlich. In “Trendsport Rodeln” geht’s nämlich genau um diesen schönen Kinderspaß. Darin heißt es, das immer mehr Erwachsene diese Art der körperlichen Ertüchtigung wiederentdecken. Mit Erwachsene sind hier bestimmt junge Männer gemeint. Jedenfalls sind der größte Teil der mir bekannten “erwachsenen” Rodler, Männer ab 20. Naturverbundenheit, wie im Beitrag geschrieben, spielt da weniger eine Rolle, eher das zweite Argument, nämlich die Kosten sind für mich nachvollziehbar.
Der entescheidende und im Artikel nicht erwähnte Punkt ist aber ein anderer. Auch sturzbetrunken ist das Rodeln noch möglich, was beim Boarden oder Skifahren dann doch eher schwer ist. Und Männer ab 20 sind sehr oft betrunken, glaubt man gar nicht.
Was mich jedoch am meisten schockiert hat an diesem Artikel, war die Tatsache, dass diese letzte Bastion der Kindheit und einfachen Freude kommerzialisiert werden soll.
Ein Hightech-Schlitten aus Alu, der “Alurunner” soll zahlungskrüftige Kunden (399 Euro UVP) zum Rodeln animieren. Der Schlitten als Statussymbol. Ich seh sie schon die ganzen hippen Trendrodler mit ihren “Alurunner”, am besten noch tiefergelegt mit Spoiler. Dann werden ja noch die richtigen Rodlerklamotten, Rodlerboots, Rodlermützen, Rodlerbrillen und sonstiger Mist gebraucht um total trendy zu sein. Zur gleichen Zeit wird es die ersten Trickrodler geben, die halsbrecherisch die grandiostesten Stunts vollführen, Stichwort “threesixty”. Letztlich wird der Sport durch die totale Kommerzialisierung absolut unglaubwürdig und nur noch ein paar Konsolenspieler sind total begeistert davon wegen dem Spiel “Hackel-Schorsch Most Wanted”.
Spätestens dann gehört das Rodeln wieder denen, die es am besten können und am ehrlichsten betreiben: den Kindern.

Aber vielleicht bin ich ja nur paranoid.