27.
November
2009
Eltern, das steht fest, Eltern nerven manchmal. Nicht nur die Eigenen, auch Andere, völlig Fremde, die meinen, ein Kind gebe ihnen das Recht ihre Umwelt zu malträtieren – schließlich sind sie und ihre Kinder was Besonderes in einer Bevölkerung, die so langsam überaltert.
So motzen sie fröhlich über die kleinste Unannehmlichkeit, was sich manchmal zu einem hysterischen Geifern steigern kann – oder eben zu Leserbriefen an die Lokalpresse. So berichtet heute die Augsburger Allgemeine in einem erstaunlich großen Beitrag über zwei „geschädigte“ Mütter, die in dem von mir sehr geschätzten Kaffeehaus Thalia ein wenig angeeckt waren.
Die eine Mutter beklagt sich darüber, dass sie ihren Kinderwagen nicht in das doch recht eng bestuhlte Kaffeehaus nehmen durfte. Die eigentlich nachvollziehbaren Gründe, dass durchaus eine Gefahr bestehe, dass das Kind mit heißen Speisen oder Getränken zu überschütten werden könne bzw. so ein Wagen sehr viel Platz wegnehme, ließ die Mutter nicht gelten. Gerade Letzteres nicht, denn schließlich seien sie ja “die einzige Familie mit Kinderwagen im Café gewesen.” Was mir als Argument allerdings nicht einleuchten will. Es könnte ja rein theoretisch auch sein, dass alle anderen Eltern überhaupt kein Problem damit haben, ihren Kinderwagen im Foyer abzustellen?
Das war aber noch nicht der Gipfel der „Kinderunfreundlichkeit“ des Kaffeehauses. Laut Augsburger Allgemeine wurde auch noch eine Mutter des Hauses verwiesen. Die wollte nicht einsehen, dass es irgendwie ziemlich blöd rüberkommt, wenn man sein Kind mitten im Speisesaal die Windel wechselt.
Und gerade so etwas kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kommen Eltern darauf, dass man seinem Kind die vollgeschissene Windel denn sofort an Ort und Stelle wechseln muss?! Da wird an der Fleischtheke schnell mal eine neue Pampers ans Kind gebracht oder einfach mitten auf dem Gehweg, wodurch alle Passanten einen großen Umweg in Kauf nehmen müssen – alles selbst schon erlebt.
Ich würde niemals auf die Idee kommen meine Mitmenschen mit so etwas zu belästigen. Natürlich waren wir alle mal klein, natürlich haben wir uns auch von oben bis unten vollgepullert, aber ich muss doch niemanden zumuten zuzusehen, wie ich die Sauerei wegmache. Wo ist also das Problem sich ein stilles und vor allem hygienisches Örtchen zu suchen, um das Kind zu wickeln? Ein paar Minuten kann das Kinde eine volle Windel schon ertragen.
Die Frage ist meiner Meinung nach also nicht, ob das Kaffeehaus kinderunfreundlich ist, das ist es nicht, ich war oft genug mit Mina da und sie hat sich prächtig unterhalten gefühlt. Die Frage ist, was Eltern ihrer Umwelt eigentlich zumuten möchten.
Wenn sich Menschen entschließen Kinder zu bekommen, dann entschließen sich nicht automatisch alle Menschen in ihrem Umfeld dazu. Ich kann niemanden zwingen, das Geschrei und die dreckigen Windeln zu ertragen – aber genau das meinen einige Eltern meist aus eigener Bequemlichkeit verlangen zu können. Da wird dann halt die Windel direkt dort gewechselt, wo man gerade so schön bequem sitzt oder das Kind soll im Wagen fest angeschnallt sitzen bleiben, damit man in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Wenn der Wagen nicht da wäre, müsste man das Kind ja auf den Schoß nehmen – welch unangenehmer Gedanke!
Natürlich hat man es als Eltern von Kleinkindern manchmal nicht leicht, wenn z.B. kein ordentlicher Wickelraum zur Verfügung steht oder mal wieder der Bus so voll ist, dass ich mit meinen Kinderwagen nicht hineinpasse. Aber wir reden ja hier auch von einem Kaffeehaus, das man besucht, um sich mal zu entspannen und abzuschalten – und natürlich haben Mütter und Väter auch ein Recht auf Entspannung, aber doch nicht auf Kosten der anderen. Es würde doch auch keiner auf die Idee kommen sein Baby mit ins Kino, in die Oper oder die Disco zu nehmen und dort dann auf der Tanzfläche die Windel zu wechseln.
Dass es eigentlich gut funktioniert mit Kindern, auch mit Babys, erklärt das Kaffeehaus übrigens auf seiner eigenen Webseite (inklusive Bild). Und ich als Elternteil kann auch nur sagen, dass ich bisher keine Probleme im Kaffeehaus gehabt habe. Von der zitierten Kinderunfreundlichkeit kann also keine Rede sein. Mir scheint eher, das sich da mal wieder ein paar Gemüter zu sehr erhitzt haben und aus einer Mücke dadurch ganz schnell ein Elefant geworden ist – ein klärendes Gespräch hilft dabei übrigens meist mehr, als der Gang zur Lokalpresse…
