Alle Beiträge mit dem Tag: Olympische Spiele


Es ist für mich manchmal immer noch gewöhnungsbedürftig, wenn ich abends durch die Straßen wandere und mir dann Chinesen in quietschbunten Pyjamas entgegenkommen. Manch einer zieht den einfach als Jogging-Anzug-Ersatz an, andere sind beim Schlafengehen auf die Idee gekommen, noch schnell Toast für den nächsten Tag zu kaufen. Die Chinesen sind da pragmatisch, warum denn noch mal ordentlich anziehen, wenn man nur Toast kaufen geht.

Das soll jetzt vorbei sein, zumindest während der Spiele. Die Regierung hat einen kleinen 36-seitigen Ratgeber herausgebracht und an die Haushalte verteilt, der darüber Auskunft gibt, wie sich die Einwohner Pekings in den nächsten Tagen einkleiden sollen. Herausgegeben hat den Ratgeber die Capital Spiritual Civilization Construction Commission – also die Kommission für den Aufbau einer intellektuellen Kultur (oder so). Was es hier nicht alles gibt.

Ein kleiner Auszug aus dem Ratgeber:

  • nicht mehr als drei Farben auftragen (sagt das Mal den Touristen)
  • keine Pyjamas und Slippers mehr in der Öffentlichkeit
  • schwarze Socken bevorzugt, niemals weiße Socken zu schwarzen Schuhen
  • Frisuren sollen dem alter Entsprechen
  • Männer sollen doch bitte nicht ihre Hosen und T-Shirts hochrollen, wenn es warm ist
  • die Kleidung sollte in er passenden Größe angezogen werden

Zusätzlich gibt es weitere Hinweise, wie man sich als Chinese derzeit verhalten soll (vor allem in Gegenwart von Laowais):

  • kein Geknutsche in der Öffentlichkeit
  • die Füße sollen beim Stehen möglichst ein V bilden
  • Händeschütteln sollte nicht länger als drei Sekunden dauern
  • frage niemals einen Ausländer nach Alter, Einkommen, Adresse, Religion, der politischen Einstellung usw.

So wie ich die Chinesen kenne, werden sie einige der Ratschläge natürlich auch befolgen, aber lange nicht alle. Schließlich sind Pyjamas einfach zu bequem. Über den Erfolg solcher “Erziehungsmaßnamen” kann man sowieso streiten. Offiziell ist Spucken ja auch verboten und jeder macht’s.

Trotzdem ist die Kommission für den Aufbau einer intellektuellen Kultur davon überzeugt, dass es helfen wird, ein harmonisches Umfeld für die Spiele zu erzeugen.

Dabei verweist die Behörde gerne auf den Anstelltag, der hier seit einigen Monaten existiert. An jedem elften des Monats wurde Anstellen an Bus- und U-Bahnhaltestellen geübt und tatsächlich stellen sich die Chinesen inzwischen mustergültig an. Allerdings währt das meistens nur so lang kein Bus oder keine U-Bahn einfährt, dann drängeln sich doch wieder alle nach vorne.

Aber wie ich ja bereits sagte Chinesen sind sehr pragmatisch.

Heidernei, wie die Zeit vergeht. Ich bin jetzt tatsächlich fast drei Monate hier in Peking und heute ist es noch genau ein Monat bis ich den Flieger heimwärts besteige.

Erst mal stehen aber ab nächste Woche natürlich die Olympischen Spiele an. Das heißt dann, zwei Wochen durcharbeiten, tolle Berichte schreiben, Videos drehen und versuchen so viel wie möglich von den Spielen zu sehen. Mal sehen ob ich das alles schaffe.

Also aufi gehts, der letzte Monat wartet!

(Das war ein kleiner Motivationsbeitrag für mich ;-) )

Die Chinesen sind so dermaßen vom Olympia-Virus befallen, dass bei der heute gestarteten vierten Verkaufsrunde für Olympiatickets einfach mal mehr Polizei aufgefahren wurde, als es wohl in ganz Augsburg gibt.Die Ticketschalter wurden hermetisch abgeriegelt, so viel Polizei auf einem Haufen ist selbst für China ungewöhnlich – aber sicher ist sicher.

Schließlich hatten sich die Sportfans teilweise schon einen Tag vorher angestellt, um an die heißbegehrten Tickets zu kommen. Da könnten sich die Gemüter ja durchaus mal erhitzen, aber die Chinesen standen alle ganz brav in der Schlange.

Nur die Presse spielte verrückt und stürzte sich wie Geier auf jeden Ticketkäufer. Die versuchten zwar teilweise schnell zu flüchten, aber probier das mal bei 100 Journalisten auf einem Haufen.

Sehr ruhig ist es hier geworden, das gebe ich zu – dabei ist das Semester seit geraumer Zeit zu Ende gegangen, sollte da nicht etwas mehr Zeit fürs Bloggen abfallen? Fakt ist, ich war natürlich nicht untätig die letzten Tage.

Neben meiner Arbeit an der Uni, bei der ich an einer quantitativen Studie mitarbeite, die Print-Medien, Online-Medien und Blogs hinsichtlich Nachrichten- und Narrativitätsfaktoren untersucht, habe ich mich noch für einen interessanten Praktikumsplatz beworben.

Die Bewerbung war etwas aufwändiger als sonst, was sich aber auch lohnten sollte. Denn gestern hab ich endlich erfahren, ich hab das Praktikum bekommen! Jetzt darf ich für Atos-Origin ab Mai 111 Tage live aus Peking von den Vorbereitungen zu Olympia 2008 und den Spielen selbst berichten. Das ganze natürlich in Form eines Blogs, die sind derzeit schließlich angesagt.

Ich hab nun die Qual der Wahl zwischen zwei Appartements, die ich online leider noch nicht begutachten konnte. Beide liegen aber mitten in der chinesischen Hauptstadt und nahe den olympischen Stätten. Mal sehen ob ich da die Tage noch ein paar Informationen beschaffen kann.

Ich freue mich jedenfalls riesig auf meine neue Aufgabe und werde euch Interessierte da draußen weiterhin auf dem Laufenden halten.

PS: Schön das sich auch andere darüber freuen, vielen Dank dafür :)

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