02.
August
2008
Es ist für mich manchmal immer noch gewöhnungsbedürftig, wenn ich abends durch die Straßen wandere und mir dann Chinesen in quietschbunten Pyjamas entgegenkommen. Manch einer zieht den einfach als Jogging-Anzug-Ersatz an, andere sind beim Schlafengehen auf die Idee gekommen, noch schnell Toast für den nächsten Tag zu kaufen. Die Chinesen sind da pragmatisch, warum denn noch mal ordentlich anziehen, wenn man nur Toast kaufen geht.
Das soll jetzt vorbei sein, zumindest während der Spiele. Die Regierung hat einen kleinen 36-seitigen Ratgeber herausgebracht und an die Haushalte verteilt, der darüber Auskunft gibt, wie sich die Einwohner Pekings in den nächsten Tagen einkleiden sollen. Herausgegeben hat den Ratgeber die Capital Spiritual Civilization Construction Commission – also die Kommission für den Aufbau einer intellektuellen Kultur (oder so). Was es hier nicht alles gibt.
Ein kleiner Auszug aus dem Ratgeber:
- nicht mehr als drei Farben auftragen (sagt das Mal den Touristen)
- keine Pyjamas und Slippers mehr in der Öffentlichkeit
- schwarze Socken bevorzugt, niemals weiße Socken zu schwarzen Schuhen
- Frisuren sollen dem alter Entsprechen
- Männer sollen doch bitte nicht ihre Hosen und T-Shirts hochrollen, wenn es warm ist
- die Kleidung sollte in er passenden Größe angezogen werden
Zusätzlich gibt es weitere Hinweise, wie man sich als Chinese derzeit verhalten soll (vor allem in Gegenwart von Laowais):
- kein Geknutsche in der Öffentlichkeit
- die Füße sollen beim Stehen möglichst ein V bilden
- Händeschütteln sollte nicht länger als drei Sekunden dauern
- frage niemals einen Ausländer nach Alter, Einkommen, Adresse, Religion, der politischen Einstellung usw.
So wie ich die Chinesen kenne, werden sie einige der Ratschläge natürlich auch befolgen, aber lange nicht alle. Schließlich sind Pyjamas einfach zu bequem. Über den Erfolg solcher “Erziehungsmaßnamen” kann man sowieso streiten. Offiziell ist Spucken ja auch verboten und jeder macht’s.
Trotzdem ist die Kommission für den Aufbau einer intellektuellen Kultur davon überzeugt, dass es helfen wird, ein harmonisches Umfeld für die Spiele zu erzeugen.
Dabei verweist die Behörde gerne auf den Anstelltag, der hier seit einigen Monaten existiert. An jedem elften des Monats wurde Anstellen an Bus- und U-Bahnhaltestellen geübt und tatsächlich stellen sich die Chinesen inzwischen mustergültig an. Allerdings währt das meistens nur so lang kein Bus oder keine U-Bahn einfährt, dann drängeln sich doch wieder alle nach vorne.
Aber wie ich ja bereits sagte Chinesen sind sehr pragmatisch.

