Den Rauchern stinkt es seit dem ersten Januar, denn seit Jahresanfang dürfen sie in den Großteil der Kneipen, Restaurants und Discos nicht mehr rauchen. Erstmalig merken sie, wie belastend rauchen eigentlich ist – das war ja bisher den Nichtrauchern vorbehalten. Schließlich hatten die Passivraucher bisher das Nachsehen, wenn nur eine Handvoll Raucher gegen eine Mehrzahl von Nichtrauchern stand.
Jetzt ist alles anders und in den Medien gibt es immer mal wieder Stimmen von empörten Rauchern, die nicht verstehen können, warum sie denn nicht die Luft für uns alle verpesten dürfen. Dabei ist es doch für alle von Vorteil, wenn man sich in Kneipen und Clubs mal sehen kann und die Augen mal nicht nach 5 Minuten das Tränen anfangen. Die Klamotten stinken nicht mehr nach modrigen Tabak und es ist tatsächlich die Kondition, die einem nach 10 Minuten auf der Tanzfläche den Atem raubt.
Dass die Wirte jetzt zu großen Raucherfreunden werden, ist aus kaufmännischer Sicht verständlich, aber letztlich waren sie selbst es, die das Gesetz mit verursacht haben. Schließlich hatte man seitens des Gesetzgebers lange auf eine freiwillige Umsetzung der Wirte für mehr Nichtraucherschutz gesetzt. Da es allerdings zu keinen nennenswerten Änderungen kam, sah sich der Gesetzgeber gezwungen zu handeln. Jetzt ist – typisch deutsch – mal wieder die Regierung schuld.
Das ganze Gezeter kann ich sowieso nicht nachvollziehen. Wenn sich ein Raucher aufregt, dass er jetzt in die Eiseskälte geschickt wird, dann soll er halt einfach nicht gehen oder sich eingestehen, dass er süchtig ist. Es zwingt sie doch keiner zu rauchen, mein Verständnis bekommen die nicht. Schließlich hatten Raucher ja auch selten Verständnis, wenn man sich von ihnen gestört fühlte.
Aber tapfer sind sie, die Raucher, was bei nächtlichen Spaziergängen durch die Innenstadt schnell ersichtlich wird. Bei Wind und Wetter trotzen sie den Elementen, um ihren Glimmstängeln zu frönen. Leerer sind die Kneipen nach meiner rein subjektiven Einschätzung nicht geworden, im Gegenteil, ich sehe plötzlich Menschen in meinen Stammkneipen, die ich vorher nie gesehen habe. Das liegt allerdings vielleicht auch daran, dass ich erstmalig ans Raumende blicken kann, ohne auf eine Nebelwand zu stoßen.
Ich finde die neue Entwicklung jedenfalls gut, mehr gute Luft für alle. Und wenn selbst mein doch schon recht stark rauchender Bruder jetzt aufhören will zu rauchen, anstatt zu meckern, dann kann das alles doch gar nicht so tragisch sein.