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Na das nenne ich ja mal einen guten Service. Seit Neustem gibt es eine Verschmutzungsvorhersage für Peking! Endlich muss ich nicht mehr aus dem Fenster gucken, um zu sehen, wie schmutzig die Stadt ist. Ich sehe ja meistens eh nichts vorm Fenster.

Irreführend ist natürlich wieder mal die chinesische Skala, die sehr, sehr, seeeeehr großzügig ausgelegt ist. Bei einem Air Pollution Index (API) von 100 noch von “guter” Luft zu sprechen ist schon ziemlich dreist. Nach internationalen Maßstäben gilt 20 als Jahresdurchschnitt und maximal 50 am Tag als obere Grenze.

Da in Peking der API aber die letzten Tage unter 100 blieb, wurde natürlich überall propagiert, dass die Luft sauber sei – trotz Smognebel in den Straßen. Wenn es während der Spiele allerdings so einen Tag wie heute geben sollte (API 113), dann würde ich den Athleten definitiv Mundschutz empfehlen.

Morgen soll es laut Vorhersage noch schlimmer werden als heute. Schauen wir mal, ob die Verschmutzungsvorhersage genauso ungenau ist, wie der Wetterbericht für Peking.

Die letzen Tage war das Wetter hier in Peking ausergewöhnlich gut. So gut wie kein Smog trübte die Sicht und der Himmel strahlte im schönsten Blau. Nun kann man das natürlich, wenn man etwas naiv ist, den letzten Umweltschutzmaßnahmen zuschieben. Schließlich wurde erst letzten Sonntag das weitreichende Fahrverbot für Teile des PKW-Verkehrs eingeleitet.

Das Wetter war aber auch wirklich bemerkenswert gut. Kein Wunder also, dass heute in einigen Zeitungen vom großen Erfolg der Umweltschutzmaßnahmen berichtet wird, der Beweis dafür: das schöne Wetter.

Dumm nur, dass gerade heute wieder eine dicke Smog-Wolke auf der Stadt liegt und eindrucksvoll beweist, wie wenig Einfluss man doch auf das Wetter hat. So langsam wird es spannend, was wir bei Olympia zu sehen bekommen werden – Nebel oder Sonne?

Irgendwie immer wieder seltsam, wenn man am hellichten Tag direkt in die Sonne schauen kann. Wenn es nicht so hell wäre, könnte es eigentlich auch der Mond sein. Dafür sorgt der Smog manchmal für sehr schöne Farben beim Sonnenuntergang.

Dass in Peking alles andere als gesunde Luftverhältnisse herrschen, muss ich gerade jeden Tag leidvoll erleben. An manchen Tagen kommt ich sehr schnell außer Atem und an an manchen plagen mich extreme Kopfschmerzen. Bin ich einfach nur einfach ein besonders empfindlicher Mensch oder ist die Luft hier in Peking einfach so schmutzig, dass selbst junge Menschen damit zu kämpfen haben?

Der BeijingAirblog versucht diese Frage zu beantworten, indem dort regelmäßig die offiziellen Verschmutzungswerte von Peking interpretiert. Die Regierung misst nämlich jeden Tag die Luft nach Schadstoffen ab und veröffentlicht die Daten. Dieser Air Pollution Index (API) sollte im Olympia-Jahr endlich signifikant sinken. Was laut BeijingAirblog nicht so ganz gelungen ist. Dabei hatte man extra ein paar Messstationen aus der Innenstadt ins saubere Umland verlegt.

Dafür verantwortlich ist der Feinstaub, der durch die Sandstürme aus der Wüste Gobi verstärkt wird. Denn der API zeigt grundsätzlich den höchsten Wert von fünf unterschiedlichen Messsubstanzen und das ist in Peking eigentlich immer der Feinstaubwert.

Wie unterschiedlich die Ansichten übrigens bei der Bewertung des API ist, kann man aus folgender Tabelle entnehmen, die ich von BeijingAirblog übernommen habe.

API/AQI Werte
Auslegung in China Auslegung in Hong Kong Auslegung in den USA
0-50
exellent wenig bis mittlere Verschmutzung gut
51-100
gut hohe Verschmutzung moderat
101-150
etwas Verschmutzung sehr hohe Verschmutzung ungesund für empfindliche Personen
151-200
leichte Verschmutzung sehr hohe Verschmutung ungesund

In China legt man die Werte insgesamt also etwas laxer aus. Hier liegt er im Schnitt bei etwa 100. Wenn man jetzt bedenkt, dass der API eigentlich immer der Feinstaubwert ist, dann liegt Peking an fast allen Tagen des Jahres deutlich über dem zulässigen Höchstwert der Europäischen Union. Derzeit ist er sogar doppelt so hoch!

Und ich wundere mich über Atemnot. Allerdings muss ich gestehen, dass die Kollegen, die ich hier bereits getroffen habe, keine solche Probleme hatten und haben. Scheinbar bin ich doch nur ein Sensibelchen. Selbst die Lebenserwartung ist hier trotz fast toxischer Bedinungen eigentlich relativ hoch. Für Frauen liegt sie bei 78, für Männer bei 74. Vielleicht ist der Staub ja doch gesund, mein Kopf allerdings sagt da was anderes.

Das Peking auch ganz schön auf die Gesundheit gehen kann, kann man heute erleben. Dank Windstille haben sich gewaltige Smogschwaden in die Straßen von Peking gelegt. Gut und gerne kann man vielleicht gerade mal 700 Meter sehen, danach verschwindet alles im Dunst.

Nach einem kurzen Aufenthalt an der “frischen” Luft bin ich jetzt erstmal außer Gefecht gesetzt. Schon auf dem Heimweg plagte mich Kurzatmigkeit und ein leichter Schwindel. Jetzt hab ich sehr üble Kopfschmerzen und meinem Magen geht es auch nicht sonderlich gut. Ich hab mir gleich mal nen Kräutertee gemacht – vielleicht hilft es ja. Ich glaube aber ich sollte mir lieber ein Beatmungsgerät für solche Tage zu legen. Nach den Zahlen des WHO ist die Luft in etwa so verschmutzt, als würde man zwei Päckchen Zigaretten am Tag rauchen. Das ist zwar reichlich plakativ aber so fühle ich mich im Moment tatsächlich.

Da sind mir die Sandstürme,die hier ab und an mal durchblasen, doch wesentlich lieber. Heute stinkt die Stadt wie eine Garage, in der jemand den Automotor laufen lässt. Ich bin wirklich gespannt, wie die das noch bis zu den Spielen hinbiegen wollen.