15.
Mai
2008
Also es ist ja schon fast nicht mehr auszuhalten, mit welcher Arroganz Spiegel Online manchmal über das Weltgeschehen berichtet. Da bricht über China die größte Katastrophe seit 30 Jahren herein und Spiegelautor Wieland Wagner hat nichts Besseres zu tun, als mal wieder das politische System Chinas anzugreifen.
Premier Wen Jiabao eilt durch die Krisenregion, hört sich die Nöte der Menschen an und verspricht schnelle Hilfe. Dass Wen als Krisenmanager auftritt, ist für Wagner aber keine staatsmännische Größe, sondern nur Zeichen eines strukturell schwaches politisches System.
Denn anders als im Westen können die Chinesen ihre Unzufriedenheit nicht mittels einer unabhängigen Presse oder durch demokratische Wahlen äußern.
Was das Ganze jetzt mit dem Erdbeben zu tun hat, erschließt sich mir überhaupt nicht. Mich erinnert Wen eher an Gerhard Schröder, der beim Hochwasser anno 2002, als Krisenmanager auftrat und alles zur Chefsache machte.
Wie kann man denn ernsthaft einen Artikel schreiben, der ein solches Vorgehen diskreditiert? Wagner kann. Er kritisiert einfach mal pauschal drauf los: gegen die Chinesische Presse, die Regierung und gegen alles was ihm noch so einfällt. Das übliche herablassende Geschwafel der ach so wunderbaren freien Presse der westlichen Welt.
Kritik an den politischen Umständen in China kann gerne geübt werden, aber in Anbetracht einer solchen Katastrophe einen dermaßen polemischen Artikel zu verfassen, spricht entweder von Dummheit oder der pure Absicht die Klickrate der Seite zu erhöhen. Beides ist dem Spiegel ja inzwischen zuzutrauen. So langsam nervt dieses China-Bashing gewaltig.
Ich sehe hier viele besorgte Chinesen, die sich für Blutspenden in lange Schlangen einreihen, die freiwillig Schaufeln, Zelte und Boote ins Krisengebiet fahren, die Geld spenden, obwohl sie selbst kaum etwas haben und die Medien versuchen alles, diese besorgten Menschen zu informieren. Ich erkenne da keine Unterschiede zu Katastrophen, die uns heimgesucht habe – oder sehe ich das falsch?

