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Also es ist ja schon fast nicht mehr auszuhalten, mit welcher Arroganz Spiegel Online manchmal über das Weltgeschehen berichtet. Da bricht über China die größte Katastrophe seit 30 Jahren herein und Spiegelautor Wieland Wagner hat nichts Besseres zu tun, als mal wieder das politische System Chinas anzugreifen.

Premier Wen Jiabao eilt durch die Krisenregion, hört sich die Nöte der Menschen an und verspricht schnelle Hilfe. Dass Wen als Krisenmanager auftritt, ist für Wagner aber keine staatsmännische Größe, sondern nur Zeichen eines strukturell schwaches politisches System.

Denn anders als im Westen können die Chinesen ihre Unzufriedenheit nicht mittels einer unabhängigen Presse oder durch demokratische Wahlen äußern.

Was das Ganze jetzt mit dem Erdbeben zu tun hat, erschließt sich mir überhaupt nicht. Mich erinnert Wen eher an Gerhard Schröder, der beim Hochwasser anno 2002, als Krisenmanager auftrat und alles zur Chefsache machte.

Wie kann man denn ernsthaft einen Artikel schreiben, der ein solches Vorgehen diskreditiert? Wagner kann. Er kritisiert einfach mal pauschal drauf los: gegen die Chinesische Presse, die Regierung und gegen alles was ihm noch so einfällt. Das übliche herablassende Geschwafel der ach so wunderbaren freien Presse der westlichen Welt.

Kritik an den politischen Umständen in China kann gerne geübt werden, aber in Anbetracht einer solchen Katastrophe einen dermaßen polemischen Artikel zu verfassen, spricht entweder von Dummheit oder der pure Absicht die Klickrate der Seite zu erhöhen. Beides ist dem Spiegel ja inzwischen zuzutrauen. So langsam nervt dieses China-Bashing gewaltig.

Ich sehe hier viele besorgte Chinesen, die sich für Blutspenden in lange Schlangen einreihen, die freiwillig Schaufeln, Zelte und Boote ins Krisengebiet fahren, die Geld spenden, obwohl sie selbst kaum etwas haben und die Medien versuchen alles, diese besorgten Menschen zu informieren. Ich erkenne da keine Unterschiede zu Katastrophen, die uns heimgesucht habe – oder sehe ich das falsch?

Huch, was ist denn das für ein hochgeistiges Blabla, das ich da gerade lesen musste? Henryk M. Broder, der Superjournalist des Spiegels schreibt über Mario Barth und beginnt seinen Text doch tatsächlich mit:

“Sowohl die Haager Landkriegsordnung von 1899 als auch die Genfer Konvention von 1949 verbieten es, Gefangene zu quälen und zu demütigen. Zivilisten sollen geschont, unnötige Opfer vermieden werden.”

Puh! Das kann ja nicht gut ausgehen für den armen Mario und auch nicht für einen Barth-sympathisierenden Leser, wie mir. Mit diesem Text beginnt sodann auch mein sozialer Abstieg ins Prekariat. Laut Broder sind die Fans des Berliner Comedians nämlich Vokuhila- und Goldkettchenträger und mindestens in einer Reihe mit De Randfichten und Big Brother-Fans zu stellen. Aber eigentlich sei Barth “ein Kollateralschaden der Demokratie”.

Hier geht es übrigens nicht um einen kommunistischen Neo-Nazi-Diktator-Kinderschänder oder noch Schlimmeres, hier geht es um einen eigentlich recht harmlosen Komiker. Der hatte mit teilweise feiner Beobachtungsgabe den Alltag von Pärchen seziert und in herrlich komische Geschichten verpackt. Dank seiner grundsympathischen Art kam das dann auch bei ziemlich vielen Leuten sehr gut an. Unter anderem auch bei mir.

Nun kann man über Mario Barth auch anderer Meinung sein, auch ich kann nicht jeden Komiker leiden. Was einen gestandenen Journalisten aber treiben muss, so ein Geschwurbel vom Start zu lassen und so völlig an der Gesellschaft vorbeizuschreiben, kann ich mir nur schwer erklären. Ein bisschen seltsam mutet es dann allerdings doch an, dass er Barth als Proll-Komiker kritisiert und den Proll-König Dieter Bohlen kürzlich noch mit einer Lobeshymne ehrte.

Schuster bleib bei deinen Leisten möchte man da dem Henryk zurufen! Ich würde mich auch nicht anmaßen einen tiefschürfenden Beitrag über die deutsch-jüdischen Beziehungen zu schreiben. Aber wenn ich es versuchen würde, dann würde sicherlich nicht so ein völlig Inkompetentes: “Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, müsste ein Trabbi das erfolgreichste Auto aller Zeiten sein” heraus.

Mein Gott, ich schaue mir tatsächlich auch die Tagesthemen an, zappe mal bei arte vorbei und lese tatsächlich ab und an echte Zeitungen! Aus Papier! So richtig retro halt. Ich hab auch schon Nietzsche gelesen, Goethe, sogar Sachen von Henryk M. Broder und trotzdem kann ich über Mario Barth lachen! Wenn das keine Unterhaltung ist, was bitte dann?!

Jeder der eine Freundin/Frau hat, die Tupper-Dosen im Schrank hat, Möbel wie Bücher durch die Gegend schleppt und sich ständig darüber beklagt, dass Man(n) nie zuhört, der kann einfach über Mario Barth lachen. So schwer ist das doch nicht zu verstehen – oder? Und selbst die Armen Klischee geschädigten Frauen können herzahft über ihn lachen, echt jetzt.

Ich zumindest weiß nun, dass Mario ein neues Programm hat, das ich mir gerne anhöre – auch ohne Goldkettchen – und dass ich Spiegel Online so langsam wirklich nicht mehr besuchen brauche. Von allen schlechten Artikeln die auf Spiegel Online so stehen, steht dieses peinliche Machwerk doch tatsächlich sogar in der Printausgabe. Oh man. Armes Deutschland.

Ich seh schon die Schlagzeile: Der Spiegel – ein Kollateralschaden der Demokratie! Autor Henryk M. Brodeur.

PS: Warum kann ich mich eigentlich nicht so kurz fassen wie z.B. Bodo Wünsch zum Thema?

Zeitumstellungen sind schon ziemlich bescheuert, irgendwie stimmt das vorne und hinten nicht und am Ende komm ich nicht ins Bett, weil ich nicht weiß, wie spät es ist.

Manchmal hat es aber auch sein Gutes. Als ich gerade bei Spiegel-Online vorbeisurfe, um mich auf den neusten Stand zu bringen, entdecke ich das hier:

SPAM auf Spiegel.de

WAS?! Nur für kurze Zeit?! Da muss ich doch draufklicken! Doch das verwirrt noch mehr. Putin und Kanzlerin Merkel sind auf einem für Spiegel-Online untypisch großem Bild zu sehen und fallen sofort ins Auge. Puntin wird per Sprechblase – Wir haben die Afghanen nicht ermordet, damit ihr die Gräber schändet – in den Mund gelegt. Merkel antwortet mit: Das ist mir klar!.

Wo bin ich hier bloß gelandet?!

Der Blick auf das schwarze Banner macht dann deutlich, worum’s geht: Satire@Spiegel-Online. Hier will uns der Spiegel anscheinend regelmäßig mit bitterbösen Texten, Fotos und sogar Videos versorgen. Beim Überfliegen der Seite kommt mir augenblicklich Satiremagazin Titanic in den Sinn und das ist kein Zufall. Hinter der Seite steht u.a. der ehemalige Chefredakteur und Partei-Parteivorsitzender Martin Sonneborn.

Die Seite wirkt noch etwas leer, aber eigentlich soll es ja auch erst morgen, am 1. November losgehen. Das sagt jedenfalls diese Pressemitteilung hier. “Komisch wie die ‚Zeit’, seriös wie Focus-TV, aktuell wie der Winterfahrplan der Deutschen Bahn – das ist unser Ziel.” Wenn die Seite nur halb so witzig wäre, wie dieser Satz von Sonneborn, dann hätten sie mit mir einen neuen Stammleser. Derzeit sind die Texte allerdings sehr Flach und fast schon zu gewollt politisch unkorrekt.

Der Clip “Hinterbänkler Heute” ist meiner Meinung nach der derzeitig einzige Höhepunkt auf der Seite. Wer Sonneborn hier in Augsburg verpasst hat, der kann ihn sich dort live und in Farbe im Videoclip ansehen.

Warum eine mehr oder weniger seriöse Nachrichtenquelle, wie Spiegel-Online unbedingt eine Satire-Rubrik braucht, die auf der gleichen Schiene wie Titanic fährt, kann ich zwar nicht nachvollziehen, Es ist aber auch schon fast 2 oder 3 Uhr…alles verwirrend.