Alle Beiträge mit dem Tag: Suzhou


Fast zwei Wochen hier verbracht und fast gar nichts dazu geschrieben, dabei gibt es so viel zu Suzhou zu schreiben.

Wer China bereisen möchte, der findet hier einen guten Startpunkt, um nicht gleich einen Kulturschock zu erleiden. Shanghai und Beijing sind teilweise sehr westlich, vor allem Shanghai steht New York eigentlich in nichts nach, aber die Städte sind einfach gewaltig und erschlagen kleine Dorfmenschen, die wir Deutschen nun mal sind mit ihrer schieren Größe.

Dann also lieber Suzhou eine chinesische Kleinstadt mit etwa 6 Millionen Einwohnern – schön überschaubar eben. Ich könnte mich etwas aus dem Fenster lehnen und sagen, Suzhou erinnert mich ein wenig an Augsburg. Blicken beide Städte doch auf eine sehr lange Geschichte zurück, beide sind älter als 2000 Jahre. Beide hatten ihre Glanzzeiten im Mittelalter, als bedeutende Handelszentren mit reichem Bürgertum. Beide waren mächtige Textilzentren, wobei Suzhou immer noch die Seidenhauptstadt Chinas ist. Das rege Handeln war der Grund für ein dichtes Kanalnetz in den Städten, weshalb beide immer wieder mit Venedig verglichen werden. Last but not least werden trotz der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen spätestens nach 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, es ist dann einfach nichts mehr los auf den sonst so überfüllten Straßen.

Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Suzhou ist im Gegensatz zu Augsburg nämlich eine DER Boomstädte Chinas. Gerne geschmückt mit dem Titel „Chinas Silicon Valley“. Hightechfirmen wie Apple oder Logitech haben sich hier angesiedelt und auch viele deutsche Firmen werkeln inzwischen im Suzhou Industrial Park. Der SIP ist eine komplett neue Stadt neben der alten Stadt, für viele Chinesen ist es ein Traum hier zu wohnen. Kein wunder also, dass sich die Einwohnerzahl in den letzten drei Jahren verdoppelt hat.

Dass Suzhou trotzdem nicht völlig überlaufen erscheint, liegt am glücklicherweise erhaltenen Charme der Altstadt. Sicherlich ist vieles bereits abgerissen worden, überall sprießen Hochhäuser in den Himmel, entstehen neue Straßen und Wohn- und Gewerbegebiete. Aber irgendwie gibt es noch sehr viele Ecken, die noch klein, eng, flach, also einfach chinesisch sind. Wie gesagt, die Innenstadt ist weitgehend frei von gewaltigen Hochhäusern und sorgt mit viel Grün an den Straßen trotz Smog für ein angenehmes Stadtbild.
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Es reichen ein paar Stunden in China, um zu bemerken, hier ist einiges anders als in Deutschland. Aber um ein paar sehr seltsame Angewohnheiten von Chinesen zu beobachten braucht man etwas länger. Ein paar dieser etwas seltsamen Alltagsangewohnheiten möchte ich hier mal zu Protokoll geben. Heute zum Thema Fotografieren.

Erinnerungsfotos
Bei Erinnerungsfotos scheiden sich ja schon bei uns Deutschen die Geister. Kein Mensch will Oma Ilse dämlich grinsend vor der Akropolis stehen sehen oder winkend auf dem Eifelturm. Angesagt sind Spontanfotos, die Zeigen was Sache ist und auch mal ein ungeschönten Blick auf Oma Ilse zeigen, wie sie völlig fertig vom Laufen auf der Liege im Hotel liegt. Gerade in Zeiten von Digitalkameras kann man eigentlich alles Knipsen.

Chinesen allerdings betreiben das etwas ernsthafter. Bei Fotos muss man sich grundsätzlich in Pose stellen, Lachen ist meist verpönt. Stocksteif stellen sie sich manchmal hin und lassen sich vorm Potala, der chinesischen Mauer oder einen Tempel fotografieren. Immer derselbe Typ vor austauschbaren Hintergrund also.

Die Jugend ist da etwas weiter, bei der zählen vor allem Modell-Posen. Erst Haare richten, dann irgendwie toll hinstellen und erst jetzt darf fotografiert werden. Es ist wirklich faszinierend, wo ich einfach drauf halte, bedarf es bei einem Chinesen einer ungeheuren Vorbereitungszeit.

Gelacht wird übrigens fast ausschließlich in Kombination mit dem Victory-Zeichen. Versuch mal einen Chinesen ohne dieses doofe Fingerspreizen zu fotografieren, es ist kaum zu schaffen, bei Fotos geht’s hier immer ums Posieren.

Hochzeitsfotos

So richtig in Fahrt kommen Chinesen bei Hochzeitsfotos, im feinsten Zwirn gepackt lassen sie sich natürlich am liebsten in Parks ablichten. Das in Pose stellen wurde ja bereits bei normalen Fotos geübt und kann jetzt endlich in Perfektion umgesetzt werden. Dass dabei mehr Schein als Sein praktiziert wird, ist zwar nichts Neues, aber dennoch sehr lustig anzusehen. Unter den wallenden Kleidern tragen die chinesischen Frauen meist Jeanshosen und Turnschuhe, um schneller die Position wechseln zu können. Die verschärfte Variante hierbei ist dann, wenn das Kleid gar keins ist, also nur von vorne so aussieht und hinten offen ist.

Massenfotos mit Ausländern
Es ist manchmal etwas schwer nachzuvollziehen. In größeren Städten wie Suzhou, wo ich mich gerade aufhalte, gibt es sehr viele Expats, also ausländische Fachkräfte, die hier arbeiten. Das hier ein paar Langnasen herumlaufen ist also nichts neues, dennoch wird man immer wieder neugierig von den chinesischen Einwohnern angestarrt, vor allem meine blonde Freundin. Ganz ungeniert glotzen sie dann alle, drehen sich um und können es anscheinend nicht fassen. Das ist irgendwie unangenehm und irgendwann nur noch nervig.

Die lustige Variante davon ist ein Foto mit Chinesen zu machen. Vor kurzem schlenderten wir gemütlich durch einen Park und ein paar chinesische Mädchen sprechen uns an, ob sie denn ein Foto von uns machen dürften. Klar dürfen sie dass, also stehen wir kurze Zeit später umringt von 5 oder 6 kleinen Chinesen auf einer schmalen Brücke und lassen uns wie Prominente ablichten.

Das war dann noch normal, es gibt auch die Variante „Familienfoto“ bei der ein chinesischer Ehemann seine Familie mit einem Europäer ablichtet, wobei der das Baby zu halten hat und die Frau grinsend daneben steht. Oder die Variante „Wie viele Chinesen passen auf ein Bild“, bei dem dann anstatt 5 oder 6 Chinesen wie bei uns, 20 oder 30 Chinesen auf dem Bild stehen und fröhlich ihr geliebtes Victoryzeichen machen.

Jetzt bleibt nur noch die Frage, was zum Geier machen die kleinen chinesischen Mädchen jetzt mit unseren Bildern…

Wenn die Uhr 5 Uhr nachmittags schlägt, dann lassen die Angstellten hier nicht etwa ihre Griffel fallen und machen sich langsam auf dem Weg nach Hause. Weit gefehlt, um 17 Uhr sind die Banken, Museen und Behörden schon verammelt und kein einziger Mensch ist da.

Denn 17 Uhr Feierabend heißt hier, viertel vor wird zusammengepackt, damit man rechtzeitig draußen ist. So wurden wir z.B. freundlich aber bestimmt um 20 Minuten vor fünf aus einem Muesum gedrängt. Als wir in die Eingangshalle kamen, waren die anderen Angestellten brav und ordentlich in Reih und Glied zum Feierabendapell angetreten.

Diese Eile hat sicherlich auch Gründe, einen sehe ich derzeit immer, wenn ich zwischen 17 und 18 Uhr aus dem Fenster gucke. Dort befindet sich ein Büro- und Restaurantparkplatz. Schlägt die Stunde fünf, dann beginnt dort unten das pure Chaos. Gleichzeitig versuchen alle Angestellten VOM Parkplatz und einige Restaurantbesucher AUF den Parkplatz zu kommen. Wen dann noch ein Spezialist sein Auto genau in der Einfahrt geparkt hat, dann ist es komplett aus und vorbei. Dann wir überall gestanden:

Ich könnte den ganzen Tag aus dem Fenster gucken und die Leute beim Ein – und Ausparken beobachten. Vor allem das Hupkonzert ist Musik in meinen Ohren. Faszinierend.

Nicht das ihr denkt, wir leben hier im eitel Sonnenschein. Derzeit (3.20 Uhr) schifft es wie aus Eimern und es hört einfach nicht auf. Scheiß Tropenwetter, aber es ist wenigstens warm – gute 25°C noch. Auf der anderen Seite heißt das wiederum, dass es einfach nur doof schwül ist. Gut das es Klimanalagen gibt…