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“Man sollte seinen Autofahrern nicht zu viel zumuten”, diese Erkenntnis dürfte sich beim Ordnungsamt hier in Augsburg wohl auch endlich gekommen sein. Verkehrsschilder und Fahrbahnmarkierungen reichen heute einfach nicht mehr, man muss die Leute schon mit der Nase draufstoßen.

Doch der Reihe nach: Seitdem die Prinzstraße mit der Linie 6 Straßenbahnschienen aufweisen kann, ist das Chaos hier deutlich gestiegen. Ich hatte ja schon von verwirrten Autofahrern geschrieben. Das Problem: An der Kreuzung zur Theodor-Wiedemann-Straße macht die Fahrbahn einen Knick, weil die Straßenbahnen kurz danach ein eigenes Gleisbett bekommen und neben der Straße fahren.

Dieser Knick scheint aber trotz diverser Schilder und Sperrfläche auf der Fahrbahn nicht für alle Autofahrer nachvollziehbar zu sein. Immer wieder fuhren Unachtsame einfach über die Sperrfläche gerade aus, nur um dann zu sehen, dass die Straße nach wenigen Metern im Gleisbett endet.

Bisher ging das immer gut, abgesehen von wilden Bremsmanövern und Dauerhupen. Doch die Tage werden immer kürzer und der Regen sorgt für eine wunderbar glitschige Straße. Das Ergebnis aus diesen ungünstigen Wetterbedingungen konnte ich letzten Montag erstmalig bestaunen. Ein Geschäftsmann rutschte mit seiner Limousine ein ordentliches Stück aufs Gleisbett. Polizei und vor allem ein Abschlepper mit Kran verschafften hier Abhilfe. Allerdings blieb verkehrstechnisch alles beim Alten.
Unübersichtlich ist es ja schon, aber wer wird denn gleich soweit auf die Gleise rutschen...
Kein Wunder also, dass gestern das nächste Auto mit Warnblinker auf den Gleisen stand. Diesmal war neben Polizei und Abschlepper aber auch ein aufgeregt auf- und ablaufender Mann von den Stadtwerken vor Ort. Scheinbar hatte sich rumgesprochen, dass ständiger Autobefall schädlich für Gleise sein könne.
...und weils so schön war, gleich ein zweites Mal.
Und was müssen meine von Alter inzwischen fast blind gewordenen Augen heute erblicken? Es wurde tatsächlich was getan. Zwei nicht zu übersehende Absperrungen zeigen den unachtsamen Autoraser heute also, wo sie definitiv nicht langfahren dürfen.
Der erste Schritt zur Besserung: Man sollte jetzt auch im Dunkeln und ohne Brille erkennen, dass es da nicht langgeht.
Das löst das Problem jetzt irgendwie nicht gerade elegant, weil spätestens, wenn Busse bzw. Straßenbahnen fahren, dürfte das gleiche Problem wieder entstehen – dann aber mit deutlich größeren Schaden für die Stadtwerke. Aber bis dahin geht noch ein gutes Jahr ins Land, genug Zeit also für die cleveren Jungs vom Straßenverkehrsamt sich eine tolle Lösung einfallen zu lassen. Wobei ich mir das jetzt gerade nicht so ganz vorstellen kann, Augsburger Autofahrer sind schon eine spezielle Spezies ;)

Seit Wochen schon prophezeie ich es, seit Wochen wollte ich eigentlich mal das Ordnungsamt anrufen, aber irgendwie dann doch immer wieder vergessen und jetzt ist es passiert: Es hat mächtig gerummst vorm Haus.

Die neue Kreuzung mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Straßenführung Ecke Prinzstraße Theodor-Wiedemann-Straße lässt nämlich sehr viele Autofahrer zum Schluss kommen, es handele sich um eine vierspurige Straße. Das hat zur Folge, dass viele Linksabbieger auf die Gegenfahrbahn fahren, weil sie meinen, dies sei eine Abbiegespur.

Seit die Straße fertig ist, gibt es nun täglich Fastzusammenstöße, wildes Gehupe und Gequietsche, weil ständig Autos auf die Gegenfahrbahn fahren. Interessiert hat sich dafür bisher niemand, das wird sich jetzt dann wohl ändern. Denn gerade eben ist es dann doch passiert.

Ein Ford wollte in die Theodor-Wiedemann-Straße einbiegen, fuhr dazu auf die Gegenfahrbahn und prallte mit einem Golf zusammen, der aus eben dieser Straße herauskam. Ein kurzes Hupen, Quietschen und dann ein unspektakuläres Scheppern.

Und es hat bumm gemacht...
Die Verunfallten blieben relativ ruhig und warteten gemeinsam auf die Polizei. Ein kurz nach dem Unfall eingetroffener Krankenwagen erkundigte sich gleich mal, ob es verletzte gegeben hatte. Die Polizei brauchte etwas länger, aber auch hier blieben alle Parteien relativ ruhig – böse Worte fielen wohl nicht. Verabschiedet wurde sich mit einem freundlichen Händeschütteln.

Dass die vorbeifahrenden Autofahrer, sich beim Passieren der Unfallstelle mal wieder so dämlich anstellten, dass fast noch mehr Unfälle folgten, muss wohl nicht erwähnt werden, schließlich sind wir hier in Augsburg.

Jetzt bin ich mal gespannt, was aus diesen Unfall gelernt wird und ob sich die Stadt vielleicht dazu hinreißen lässt, endlich mal die Ampel an der Kreuzung einzuschalten. Ansonsten muss ich da wirklich mal anrufen.

Diesmal gab‘s nur einen leichten Blechschaden, aber so wie manche die Prinzstraße entlang rasen, kann das ganz schnell Mal in einen schlimmeren Unfall enden – vor allem bei der Radfahrerdichte hier.

Tausende rote Lichter spiegeln sich in der regennassen Straße. Es wirkt wie ein gewaltiger Trauermarsch. Anstelle von Kerzen leuchten aber die Bremslichter der Autofahrer in der Dämmerung. Ein Mensch ist gestorben, nur ein paar Meter weiter. Ein Motorradfahrer. Unachtsam fuhr ein PKW von der Busspur zurück auf die Straße, nahm dem Motorradfahrer somit die Vorfahrt und dieser musste ausweichen – auf die Gegenfahrbahn. Dort, im Gegenverkehr gab es dann keine Ausweichmöglichkeiten mehr führ ihn. Er starb noch an der Unfallstelle. Die Friedberger-Straße, auf der sich alles abspielte, wurde komplett gesperrt und jetzt staut sich der Berufsverkehr ins Unermessliche.

Unheimliche Bilder in der Dämmerung, mit all den Lichtern. Ich versuche mir vorzustellen, wie es den Angehörigen geht und kann es nicht, nicht mal ansatzweise. Wer kann das schon, wer will das schon.

Ein seltsamer Morgen. Ich kann nicht mehr aus dem Fenster sehen. Die aufgehende Sonne mit ihrem Versprechen auf einen neuen Tag wirkt wie Hohn, wenn davor das Blaulicht der Polizei und der Notärzte blitzt. Im Westen ziehen aber schon die Regenwolken auf, auch das Wetter trauert.

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen.