08.
Juni
2009
Die großen deutschen Verlage treffen sich mit viel Tamtam in Hamburg zum 3. Internationalen Mediendialog und zeigen letztlich wieder mal, dass sie nichts verstanden haben. Denn statt endlich mal Strategien zu entwickeln, Geld im Internet zu verdienen, schwadronieren sie lieber über geistigen Diebstahl im Internet. Überall, so der Tenor der Medientage wird raubkopiert.
Die Presse reiht sich also in die illustre Schar, in der schon Musik-, Film- und Softwareindustrie munter debattieren und fordern. Alle behaupten Raubkopien wären schuld, dass immer weniger Geld verdient wird, statt zuzugeben, dass sie einfach unfähig sind, neue Finanzierungsideen für das Internet zu entwickeln.
Anders als bei den anderen Rechteinhabern ist die Presse allerdings selbst kein unbeschriebenes Blättchen. Sind die Verlage doch selbst dem Copy&Paste-Wahn verfallen, den sie groß und breit kritisieren. Es ist alles andere als ein Geheimnis, dass die Presse schon seit jeher voneinander abschreibt und dank billiger Agenturmeldungen sowieso überall das gleiche steht.
Am schwersten wiegt aber, dass die Presse nicht nur von sich selbst abschreibt, sonder auch hemmungslos das Internet nach Inhalten abgrast. Da werden gerne Fotos von Webseiten, Blogs oder aus sozialen Netzwerken geklaut, wann immer mal Opfer eines Verbrechens bebildert werden müssen.
Eine Unsitte, der gerade beim Springerverlag immer Häufiger gefrönt wird. Trotzdem dampfplaudert Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG Mathias Döpfner vor sich hin und meint ganz frech: “Unser Ziel muss es sein, die Hauptstraßen des Internets frei von Piraten zu halten.” Da soll dann wohl mehr Platz für raubkopierende Presseverlage sein oder wie?
Kriminelle beschweren sich, dass sie beklaut werden – was für eine seltsame Welt. Wenn das der Weg aus der Zeitungskrise sein soll, dann sag ich schon jetzt mal gute Nacht!

