Alle Beiträge mit dem Tag: Urheberrecht


Die großen deutschen Verlage treffen sich mit viel Tamtam in Hamburg zum 3. Internationalen Mediendialog und zeigen letztlich wieder mal, dass sie nichts verstanden haben. Denn statt endlich mal Strategien zu entwickeln, Geld im Internet zu verdienen, schwadronieren sie lieber über geistigen Diebstahl im Internet. Überall, so der Tenor der Medientage wird raubkopiert.

Die Presse reiht sich also in die illustre Schar, in der schon Musik-, Film- und Softwareindustrie munter debattieren und fordern. Alle behaupten Raubkopien wären schuld, dass immer weniger Geld verdient wird, statt zuzugeben, dass sie einfach unfähig sind, neue Finanzierungsideen für das Internet zu entwickeln.

Anders als bei den anderen Rechteinhabern ist die Presse allerdings selbst kein unbeschriebenes Blättchen. Sind die Verlage doch selbst dem Copy&Paste-Wahn verfallen, den sie groß und breit kritisieren. Es ist alles andere als ein Geheimnis, dass die Presse schon seit jeher voneinander abschreibt und dank billiger Agenturmeldungen sowieso überall das gleiche steht.

Am schwersten wiegt aber, dass die Presse nicht nur von sich selbst abschreibt, sonder auch hemmungslos das Internet nach Inhalten abgrast. Da werden gerne Fotos von Webseiten, Blogs oder aus sozialen Netzwerken geklaut, wann immer mal Opfer eines Verbrechens bebildert werden müssen.

Eine Unsitte, der gerade beim Springerverlag immer Häufiger gefrönt wird. Trotzdem dampfplaudert Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG Mathias Döpfner vor sich hin und meint ganz frech: “Unser Ziel muss es sein, die Hauptstraßen des Internets frei von Piraten zu halten.” Da soll dann wohl mehr Platz für raubkopierende Presseverlage sein oder wie?

Kriminelle beschweren sich, dass sie beklaut werden – was für eine seltsame Welt. Wenn das der Weg aus der Zeitungskrise sein soll, dann sag ich schon jetzt mal gute Nacht!

Ein wenig skurril wirkt die Meldung ja doch, ein Kunstwerk, welches der Bevölkerung gewidmet ist, darf nicht auf einer Webseite gezeigt werden.

Speziell geht es um das Kunstwerk von Hans Haacke, das sich im Innenhof des Bundestages befindet. In großen Lettern liegt da das Wort „Der Bevölkerung“ inmitten der Erde aus den Wahlkreisen Deutschlands. Halten wir fest: gewidmet der Bevölkerung, bezahlt aus den Steuergeldern ebendieser.

Nun ist es so, das Künstler natürlich Rechte am eigenen Werk haben. Wird ein Werk nun fotografiert und online gestellt, stellt das eine Nutzung des Werkes dar, die eine Genehmigung des Künstlers bedarf. Da ein Künstler jetzt nicht mit tausenden Anfragen nach Nutzungsgenehmigungen belästigt werden will, überträgt er diese Aufgabe einer Verwertungsgesellschaft. Was der Musikbranche die GEMA, ist der Kunst die VG Bild-Kunst. An diese richtet der Interessent die Anfrage, bezahlt ein Honorar und darf seine eigenen Fotos nutzen.

Ebendiese VG Bild-Kunst meldete sich nun bei Frau Tursky-Harmann. Die SPD-Politikerin hatte auf ihrem Blog drei lizenzpflichtige Bilder von Kunstwerken veröffentlicht. Die Verwertungsgesellschaft wies sie darauf hin und forderte sie auf die Bilder entweder zu entfernen oder Lizenzgebühren zu bezahlen. Sie entschied sich für Letzteres und konnte auch für zwei Bilder eine Lizenz erwerben. Nur für das Foto des Kunstwerks von Hans Haacke wurde die Genehmigung verweigert. Die erstaunliche Antwort der VG:

“Herr Haacke ist mit der Veröffentlichung seines Werkes ‘Der Bevölkerung’ auf Ihrer Website leider nicht einverstanden.”

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Dass der Teufel die mp3s erfunden hat, ist inzwischen wohl jedem Plattenboss klar. Aber das die Musikindustrie noch immer in einer rosaroten Fruchtgummiwelt lebt konnte der geneigte Hörer vor kurzem wieder feststellen. Dazu müsste er aber das Interview von DeutschlandRadio Kultur mit Hartmut Spiesecke vom deutschen Phonoverband (IFPI) gehört haben, das es hier als mp3 gibt.

Meinte der Hartmut da doch:

Ich habe persönlich gesagt, jeder, der nen CD-Spieler hat, bei dem ‘ne kopiergeschützte CD nicht läuft, der soll mir ne ‘mail schicken. Ich glaube, ich habe in den letzten Jahren acht Mails bekommen, die einigermassen plausibel waren.

Nun, wenn jemand so was anbietet, dann geht das einem Schneesturm in Augsburg gleich durch die Bloggerszene. Ich, der ich mich als Teil dieser überaus coolen und sehr potenten Szene fühle, mach dann einfach mal mit am verbreiten dieser Nachricht. Gefunden hab ich es übrigens bei netzpolitik.org, was nicht unerwähnt bleiben sollte.

Die etwas überhebliche Aussage von Herrn Spiesecke sollte doch nicht einfach so im Raum stehen bleiben. Denn mal ehrlich, selbst ich, der kaum mit CDs zu tun hat, hatte schon das Problem, dass die ein oder andere CD nicht im Autoradio lief!

Damals als ich noch das Auto mit besagtem Radio hatte, wusste ich noch nicht, dass man sich bei Herrn Spiesecke melden kann. Aber jetzt weiß ich es und werde allen mit gleichen Problemen die Hilfe von Hartmut anbieten. Dieser Feine Zug von ihm wurde auch gleich mit einer Kampagne bedacht und dafür hübsche kleine Banner entworfen.