Stell dir vor, du stehst an einem S-Bahnhof und das Werbeplakat von schräg gegenüber ruft dich an, um dir brandheiße Infos zu neuen Schnäppchen zu übermitteln. Die Zukunft der Werbung? Nein, die Gegenwart!

- Bluetooth-Plakatwerbung vom ZDF: kaum Mehrwert
Den ersten erfolgreichen Versuch solcher Werbung gab‘s vor kurzem in Köln zu bestaunen. Mitte März gab es dort an verschiedenen Standorten Nelly-Furtado-Plakate mit integriertem Bluetooth-Sender. Der bot jedem Passanten mit eingeschalteten Bluetooth am Handy den Song „Say it Right“ kostenlos zum Download an.
Solche Bluetooth-Werbung wird inzwischen in mehreren Deutschen Großstädten angeboten, u.a. natürlich auch in Berlin. Leider gibt es hier keine Musik zum Download, sondern nur eine schnöde SMS, aber dabei sein ist alles. Beworben wird, mit einem wirklich schlechten Plakat, die ZDF-Sendung Giganten. Am 8. April wird Alexander von Humboldt Thema der Reihe sein.
Das erklärt dann wohl, warum auf dem Plakat eine schlechte Fotocollage von Humboldt zu sehen ist. Warum allerdings Humboldt lebt, wie auf dem Plakat prangert, wird nicht erklärt – vielleicht ja in der Sendung am 8. Das Plakat bietet aber neben der schlechten Photoshop-Arbeit auch den oben erwähnten Zusatznutzen an: Infos per Bluetooth aufs Handy. Da den Service ja viele nutzen sollen, geht man beim ZDF einfach mit der Holzhammermethode vor: Sex Sells. „Seine Meinung über Viagra hier aufs Handy laden“ wird hier RTL-like angepriesen.
Da mich schon immer interessiert hat, was das große Genie Humboldt zu Potenz steigernden Mitteln zu sagen hat, hab ich, trotz der plumpen Anmache, meine Bluetooth-Verbindung aktiviert. Nach einigen Bestätigungen landete dann auch schon Humboldts Expertenmeinung auf meinem Handy:
„Ich finde das Alter nicht arm an Freuden; Farben und Quellen dieser Freuden sind nur anders.“
Wow – der Spruch passt allerdings auch zu den 3. Zähnen und nicht nur zu Viagra. Schade um die schöne Idee, aber was will man erwarten von einem Provinzsender, wie dem ZDF mit ihren winzigen Etat – beruhigend zu wissen, dass meine Gebühren gut angelegt sind.
Wenn das nun also die Zukunft der Werbung sein soll und das Handy damit zugespammt wird, dann werde ich auch diese neue Form komplett Ignorieren und meine Aufmerksamkeit lieber dem nächsten Baum oder Vogel widmen – Humboldt hätte es genauso gemacht, wenn er noch Leben würde…