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Heute wurde ich eisig geweckt. Meine Morgendusche war irgendwie sehr viel kälter als sonst und das, obwohl da eigentlich warmes Wasser aus dem Wasserhahn kommen sollte – kam aber nicht. Irgendwie ungewöhnlich, aber vielleicht duschte ja gerade jemand über oder unter mir und zapfte das ganze kostbare Warmwasser ab?

Da die Wasserleitungen bei uns nur durch eine, in den 70er Jahren sicherlich total schicke, Holzverkleidung kaschiert werden, hätte ich eine Wasserentnahme in einer anderen Wohnung allerdings gehört – tat ich aber nicht. Die Ursache musste also woanders liegen.

Da das Wasser am Morgen noch eine Spur von Wärme zeigte und diese im Laufe des bisherigen Tages einer klirrenden Kälte wich, gehe ich inzwischen aber davon aus, dass die Warmwasserkessel oder gar die ganze Zentralheizung ausgefallen ist.

Ich tat also das, was ich in solchen Fällen immer tue: Ich rief die Störstelle unserer Hausverwaltung an, schließlich habe ich keine Lust auf kaltes Wasser über die Feiertage. Was ich dann allerdings erstaunlich fand, war die Tatsache, dass sich mal wieder kein anderer aus unserem Haus bei denen gemeldet hatte. Und das war nicht das erste Mal, vor ein paar Monaten war das Schloss der Hauseingangstür kaputt gewesen, keiner kam mehr ins Haus – und keiner fühlte sich verantwortlich mal bei der Hausverwaltung anzurufen, um das Problem zu lösen.

Was ist eigentlich inzwischen mit den Leuten los?! Das ist nämlich kein Einzelfall auf unser Haus beschränkt, mehrere aus meinem Bekanntenkreis verhalten sich genauso: Ist irgendwas defekt, wird drüber gemeckert, aber auf die Idee mal beim Wohnungseigentümer oder eben der Hausverwaltung anzurufen, dass die das Problem beseitigen, kommt keiner. Genau deswegen bezahlt man doch inzwischen horrende Nebenkosten an die Hausverwaltungen. Damit die alles am Laufen halten. Trotzdem scheuen sich so viele davor, ihre Rechte in Anspruch zunehmen. Nur nicht auffallen, nicht dass die Vermieter denken, man sei ein schlechter Mieter – dabei ist das hier ein klares Kunde-Dienstleister-Szenario

Es scheint eine deutsche Eigenart zu sein, dass man sich zwar über alles gerne und lautstark aufregt, aber letztlich auch nichts an der Situation ändert. Dieses “man-kann-ja-eh-nichts-ändern”-Gefühl scheint uns Deutsche schon fest im Griff zu haben – in allen Lebensbereichen, schon irgendwie erschreckend. Dabei ist es ein Leichtes, einfach mal aufzustehen und das Problem zu lösen.

Aber vielleicht fehlt bei uns einfach ein Rentner im Haus, der aufpasst, dass alles irgendwie läuft. Dafür sorgt, dass alle ihren Müll ordentlich trennen und die Kinder nicht auf dem Rasen Fußball spielen. Das ordnende Element einen bayerisch-schwäbischen Augsburger Rentners ist ein nicht zu unterschätzendes Stück Lebensqualität. Aber so was merkt man ja immer erst, wenn er nicht mehr da ist.

Ich für meinen Teil hoffe, dass ich bald wieder warmes Wasser habe, bis jetzt hat sich hier bedenklicherweise noch nichts getan.

Heute war es so weit, ich musste aus meiner Bonzenwohnung ausziehen. Dass der Aus- und Umzug natürlich wieder nicht ganz glatt lief, ist ja selbstverständlich hier in China.

Der Check-out aus meiner Wohnung war für 14 Uhr angesetzt, ich hatte extra nochmal in der Rezeption nachgefragt am Vortag. Um 14 Uhr kam natürlich kein Mensch. Wurde ich bei meinem Einzug noch von fünf Mitarbeitern Empfangen und die Wohnung feierlich übergeben, interessierte den Auszug anscheinend niemand mehr. Das ist eines der großen Probleme bei den Chinesen. Die denken einfach nicht, dass guter Service bis zum Schluss erbracht werden soll, wenn die Gäste wiederkommen sollen.

Also rollerte ich schwer bepackt in die Rezeption und dort standen natürlich wieder nur ahnungslose Angestellte rum. Nach geschlagenen 20 Minuten warten und schimpfen, konnte ich dann endlich meinen Schlüssel und meine Schlüsselkarte abgeben und die Sache war erledigt.

Nach einer entspannten Fahrt zum neuen Domizil gingen die Probleme beim Einchecken im Hotel natürlich weiter. Irgendeine Pappnase hatte zwei Zimmer auf meinen Namen reserviert. Jetzt wurde heiß diskutiert, welches Zimmer ich denn nun bekommen solle. Da von vier Rezeptionschinesen keiner die Entscheidung treffen wollte, musste der Chef geholt werden. Man gewöhnt sich an solche Sachen eigentlich recht schnell hier in China, so sind sie halt, aber mir war es dann doch langsam genug!

Als aber ein kleines dickliches Kind auf mich zugerannt kam und sich freundlich auf Englisch vorstellte und fragte, wie es mir ginge, lockerte sich meine Stimmung wieder etwas. Hier lernen schon die ganz kleinen Kinder Englisch. Ich glaube in 10-15 Jahren wird ein Chinaaufenthalt wesentlich angenehmer sein.

Irgendwann bekam ich dann doch meinen Schlüssel und konnte mein 12qm-Zimmer beziehen. Irgendwie eine ziemliche Umstellung von meinem 80qm-Appartment, aber ich bin ja zum Arbeiten hier ;)

Die Dusche ist mal wieder direkt ins Badezimmer integriert, das heißt, wenn ich mich mal wasche, setze ich den gesamten Raum unter Wasser – I love China! Noch viel Schlimmer war es aber, dass ich natürlich kein warmes Wasser hatte. Nachdem die letzte kalte Dusche total in die Hose gegangen war, wollte ich es diesmal nicht riskieren und rief den Zimmerservice an.

Der meinte ich solle das Wasser laufen lassen, er würde in einen anderen Raum gehen und dort auch das Wasser aufdrehen. Nach geschlagenen 10 Minuten wurde es dann tatsächlich warm. Wie war das noch mit den Grünen Spielen?! Soll ich denn jetzt tatsächlich jeden Tag so viel Wasser verschwenden?! Ihr merkt, so ganz zu frieden bin ich im Moment noch nicht. Aber wie gesagt ich hab ja eigentlich auch vor, zu arbeiten.

Das war es dann jedenfalls, den ganzen Tag nichts geschafft und trotzdem geschafft. Dumm das meine Lunge sich heute wieder anfühlt als hätte ich Nägel eingeatmet. Dabei war die Luft heute eigentlich sehr gut – also nach chinesischen Maßstäben. Wird Zeit, dass ich ins Bett komme…

Ich habe einen Fleck, einen feuchten, direkt vor meiner Badezimmertüre auf dem Teppich. Erst dachte ich, dass ich vielleicht zu nass aus der Dusche durch die Wohnung marschiert bin, aber da der Fleck sich seit ein paar Tagen hartnäckig hält, muss er wohl von etwas anderem kommen.

Aber wozu wohne ich in einer Bonzenwohnung, wenn ich nicht rund um die Uhr die Rezeption anrufen könnte? Die verstanden mein Problem natürlich erst mal überhaupt nicht. Sie fragten mich sogar, woher denn der Fleck komme – wenn ich das wüsste, wäre er schon weg. Aber irgendwann bekam ich einen Handwerkertermin und wie alle Handwerker auf der Welt kam pünktlich nach der Handwerkerzeit eine Dreiviertelstunde zu spät.

Dieser kleine Herr betrachtete meinen Fleck, guckte sich die Decke an, die natürlich komplett trocken war. Ein Problem mit der Klimaanlage hätte ich ja gerade noch selbst entdeckt. Mit dem Überprüfen der Decke war sein Arbeitsgang scheinbar erledigt, er teilte mir per Zeichensprache mit, er würde jetzt jemanden Anrufen und wieder gehen.

Nach einer viertel Stunde kam der nächste Handwerker, der sich auch meinen Fleck ansah und diesmal aber auch IN das Bad hineinging. Er untersuchte mit seiner nicht funktionierenden Taschenlampe meine Dusche und war wohl fündig geworden, denn er sagte etwas was wie ein chinesisches HEUREKA! klang.

Hier also, was ich als seine Erklärung verstand: Das Duschwasser läuft seit jeher total schlecht aus ab und steht gerne in der Duschkabine vor sich hin. Da hier aber sehr sparsam mit Fugenkitt umgegangen wurde, läuft das Wasser nun teilweise UNTER den Fliesenboden nach vorne zu meinem Teppich. Hört sich blöd an, ist aber, wenn man das gestörte Verhältnis von Chinesen zu Fliesen kennt, nicht so abwegig.

Nachdem der strahlende Handwerker mir seine Erkenntnis mitgeteilt hatte, verabschiedete er sich brav und verschwand. Seitdem hat sich nicht viel an meinem Fleck getan, bisher hat sich noch keiner erbarmt meinen Fugenkitt zu erneuern. Aber so langsam bin ich es ehrlich gesagt auch leid, hier ständig irgendwelchen Handwerkern hinterherzulaufen.

Aber da ich nicht ständig mit feuchten Socken rumlaufen möchte, weil ich mal wieder vergessen hab, dass der Fleck da lauert, werde ich mich wohl noch mal zur Rezeption bemühen müssen und einen halben Tag mit den lustigen Handwerkern hier verbringen dürfen.

Ich wohne ja in einer pikfeinen Wohnanlage einen Steinwurf von den Olympischen Spielstätten entfernt. Überall gibts Kameras und Wachmännern in weißen Uniformen, die Türen werden einen immer von jungen Männern aufgehalten und bei Problemen kann man rund um die Uhr die Rezeption anrufen.

Da meine große Wasserflasche leer war, musste ich die Rezeption heute mal in Anspruch nehmen. Nachdem ich der netten Dame erklärt hatte, ich brächte eine neue water bottle bräuchte und sie es einfach nicht verstehen wollte (“What exactly is your problem?”), kamen nach gut 10 Minuten doch noch ein paar kräftige Jungs und brachten mir meine Wasserpulle vorbei. Natürlich hatten sie wieder diese kleinen Plastikkondome für Schuhe angezogen, damit sie keinen Dreck in meiner Wohnung verursachten.

Alles war wie immer ganz ordentlich, die Scheitel und die Anzüge saßen perfekt. Bis sie sich am Ende artig mit einem sehr umgänglichen “See ya!” verabschiedeten. Irgendwie passte das dann so gar nicht in das luxuriöse Ambiente. Ich fand es trotzdem sehr sympathisch und ich fühlte mich für einen kurzen Moment mal nicht so unglaublich Fehl am Platze in dieser Bonzenwohnung.

Ganz speziell für die A-Heldin gibt’s noch ein paar Bilder der Wohnanlage, die Wachmänner wollten sich irgendwie nicht fotografieren lassen :) Bilder der Wohnung gab es ja schon hier.

Na gut, langweilig ist mir nicht, ich hab ja auch noch so genug zu tun, aber derzeit kübelt es hier aus Eimern und nass werden will ich im Moment irgendwie nicht. Ich werd mir demnächst wohl einen Schirm kaufen müssen.

Aber so hab ich wenigstens Zeit mal mein Appartement kurz vorzustellen. Ich hatte ja schon erwähnt, dass es ziemlich nah an den olympischen Spielstätten liegt, aber dass ich quasi in einen komplett neuen Stadtteil ziehe, wusste ich nicht. Hier wird immer noch kräftig gebaut, auch an meinem Appartementkomplex. Dafür wird dann leider öfter mal der Strom abgestellt.

Trotzdem muss ich sagen, dass es sich hier ganz angenehm leben lässt. Obwohl mir das alles einen Tick zu luxuriös ist: Sicherheitsbeamte an den Eingängen zum Komplex, Zugang nur mit Sicherheitskarte, überall Kameras und dann noch die toll ausgestatteten Appartements.

Natürlich erkennt man, wenn man ganz genau hinsieht, dass hier und da mal wieder geschludert wurde. So ist die Dusche etwas undicht, richtig gut verfugte Fliesen sehen anders aus und Türen in der Küche sind eine glatte Fehlkonstruktion. Dennoch bin ich echt zufrieden mit der Wohnung, da es eine doch sehr ruhige Wohngegend ist und drum herum doch alles zu finden ist, was man so braucht: Einkaufsmöglichkeiten, Essmöglichkeiten und U-Bahnanbindung – was will man mehr?

Gut der Breitbandanschluss mutet wie immer etwas langsam an, aber das ist von der Tageszeit abhängig, daran gewöhnt man sich.

Ich fühle mich jedenfalls wirklich wohl.