28.
Juni
2006
An deutschen Universitäten gehen die Uhren ja bekanntlich anders. Das musste der frische und motivierte Neu-Student bisher als erstes lernen.
War an der Schule noch pünktliches Erscheinen angesagt, gibt es im Vorlesungsverzeichnis bei den Universitäten kryptische Abkürzungen, wie c.t. und s.t. hinter den Uhrzeiten. Ein unbedarfter Student, frisch mit dem Abitur gesegnet, konnte da schonmal durcheinander kommen und zu früh im Seminar oder Hörsaal erscheinen. Sind doch die meisten Zeiten im Vorlesungsverzeichnis als c.t. gekennzeichnet.
Dieses Kürzel bedeutet cum tempore, was so viel wie “mit Zeit” heißt und die lateinische Bezeichnung des akademischen Viertels ist. Vorlesungen oder Seminare, die mit c.t. gekennzeichnet sind, beginnen eine viertel Stunde später als angegeben. Genug Zeit also, um den Raum zu wechseln und betont cool seine Unterlagen auszupacken. Veranstaltungen die mit s.t. (sin tempore = ohne Zeit) gekennzeichnet sind, beginnen hingegen pünktlich.
Die Regelung bedarf für Neulinge sicherlich etwas an Eingewöhnungszeit und auch für alte Hasen konnte sie einige Probleme bereiten, wenn man mal wieder nicht genau ins Vorlesungsverzeichnis geguckt hat und bei s.t.- Veranstaltungen mal eben eine viertel Stunde zu spät kommt. Aber so ist das an der Universität, da wird nun mal betont lässig gelernt. Das soll nun vorbei sein.
Jedenfalls an der Uni Augsburg. Wahrscheinlich weil die Studenten immer dümmer werden und immer später zu den Veranstaltungen erscheinen und sowieso keiner das System versteht. Also wurde beschlossen, dass akademische Viertel abzuschaffen.
Die früheste Veranstaltung beginnt nun bereits um 8.15 beginnt, was für viele sicherlich ein Grund ist, die Uni zu wechseln. Ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll. Die Veranstaltungen sind ja immer noch 90 Minuten lang. Das einzige Problem ist, dass ich mir neue Busverbindungen raussuchen muss, obwohl ich mich an die alten schon so gewöhnt hab. Studenten sind Gewohnheitstiere.
Dass in Augsburg auch mit c.t. tolle Sachen gemacht werden, kann übrigens hier gesehen werdeb. “Mit Zeit” forscht es sich einfach besser. Man sieht aber auch, das Leben an der Uni wird härter. Nicht nur Studiengebüren, auch Pünktlichkeit wird nun erzwungen. Wo soll das nur enden…
PS: Der Hurricane-Beitrag kommt schon noch, der ist etwas umfangreicher

28. Juni 2006 um 18:06
Das ist ja pervers, Studenten schon um 8.15 Uhr in die Uni zu jagen. Da ist in der Cafete noch nicht mal der Kaffee aufgewärmt.
28. Juni 2006 um 23:29
Richtig. Es ist pervers, als nächstes verlangen sie noch, das man bei den Vorlesungen auch wirklich dabei ist *schauder*…