Drei Versuche hat es gebraucht, um endlich zu einem Live-Gig der Killers zu kommen. Diesmal konnten wir endlich auch drei Karten ergattern. Die hatten wir uns schon vor drei Monaten gesichert. Was lange währt wird endlich gut? Bei dem Killers-Konzert am letzten Samstag kann man das nur mit Abstrichen behaupten.

Gründe dafür gibt es genug, einer davon: Unglaubliche drei Mal wurde das Konzert nämlich verlegt. Von der Columbia-Halle, in den Hangar 2 des Flughafens Tempelhof und letztlich dann in die gewaltige Arena in Treptow. Und da liegt der Hund begraben.

Zwar pilgerten wahre Menschenkarawanen von der S-Bahnstation Treptower Park in Richtung Arena, die riesige Halle konnten sie allerdings nicht füllen – etwas oversized die Location. Es gab demnach eine massive Menschenanhäufung in vor der Bühne, der Rest des Publikums stand in lockeren Gruppen im Weit der Halle. Lange mussten die allerdings nicht warten, die Vorband schmetterte erstaunlicherweise schon während des Einlasses vor sich hin und viertel vor 10 ging die große Show los – und die Killers sorgten wirklich dafür.

Auf einer gewaltigen halb-transparenten Leinwand stimmten Impressionen einer mexikanisch-amerikanisch anmutenden Wüstenlandschaft ein auf die musikalische Reise nach Sam‘s Town. Mit einem lauten Knall fiel dann auch die Leinwand und ein Haufen Glitter schoss aus den Kanonen am Bühnenrand: Glamorous Indie Rock ’n Roll eben, frei nach ihrem eigenen Song.

Was dann folgte, kann man durchaus als professionelles Abspulen bezeichnen. Frontmann Brandon Flowers und seine Truppe brachten einen Song nach den anderen, ohne große Unterbrechungen, gaben artig ihre Zugaben und verschwanden dann nach gut 1 ½ Stunden von der Bühne. Diese können zwar als äußerst kurzweilig bezeichnet werden, aber leider fehlte dabei komplett die nötige mitreißende und hypnotische Art, die ein Livekonzert ausstrahlen sollte. Das konnte aus dreierlei Gründen nicht passieren.

1. Es gab ein Problem mit dem Publikum: Angezogen vom Lichte des Starruhms der Texaner kamen nicht nur das übliche Indie-Publikum auch deutlich unter 16 Jährige und deutlich über 50 Jährige waren mehr die Regel als die Ausnahme. Ich bin jetzt niemand, der sich darüber aufregt, dass alte oder junge Fans bei einem Konzert dabei sind, allerdings war dies tatsächlich mein erstes Konzert, wo Fans selbstgemalte Schilder in die Luft hielten. „Wie bei The Dome hier“ meinte einer meiner Kumpels scherzhaft noch. Verstärkt wurde das Gefühl noch von der extra aufgebauten Sitz-Tribüne. Auf der saßen natürlich ebenfalls ein paar Schild-Träger(innen). Das hier nicht wirklich die nötige Stimmung aufkam, lag auch an den üblichen Leuten, die nur rumstanden, anscheinend kein einziges Lied der Band kannten und einen die Sicht versperrten. Wahrscheinlich waren das dann größtenteils die Eltern von den unter 16 Jährigen – und davon gab es wie gesagt reichlich.

2. Dass die Masse sich nicht wirklich in Bewegung setzte, lag vielleicht aber auch an der tatsächlich sehr schlechten Beschallung in der Arena. Wie gesagt ist die eine gewaltige Halle, die diente dereinst für die Omnibusse der Stadt Berlin als Garage. Man muss sich das nun so vorstellen, dass man eigentlich vom Platz her ein Festivalgelände beschallen müsste, aber nicht voll aufdrehen kann, weil einem sonst die Halle auseinanderfällt. Was dabei raus kommt ist nicht wirklich mitreißender Sound.

3. Das alles könnte ich allerdings noch verkraften, ich hab schon weitaus schlimmeres Publikum gesehen und weitaus schlimmeren Sound gehört. Was aber enorm schwer wiegt: Scheinbar sind die Killers keine gute Live-Band. Es findet viel zu wenig Interaktion zwischen Publikum und Band statt. Da können sich die Killers noch viel von Green Day, Wir sind Helden oder sogar Herbert Grönemeyer abgucken. Die haben die Massen auf ihren Konzerten immer eisern im Griff – da singen, hüpfen und kreischen einfach alle mit, ohne dass sie’s wollen.

Die Killers spielten ihre – natürlich – trotzdem genialen Songs runter, aber mehr als ein paar „BERLIN!“-Rufe von Flowers kam nicht wirklich rum. So eine schlechte Live-Performance hat mir schon die Lust auf The Kooks und den Arctic Monkeys genommen. Vielleicht hatten sie allerdings auch nur einen schlechten Tag, wer weiß. Schließlich kam am Ende dann ja doch noch etwas Stimmung bei mir auf und ein bisschen Rumgehopse schadete meinen Rücken auch nicht weiter.

Fazit: Was allerdings bleibt, ist Enttäuschung. Live-Auftritte müssen sich irgendwie doch abheben vom Album, was in diesem Falle leider nicht stattfand. Respekt vor der großen Professionalität aber ein bisschen mehr Seele muss man schon reinlegen, sonst hätt ich ja gleich die CD hören können.

Letztlich ist die Wertung für jeden der den Beitrag gelesen hat sowieso schon klar: drei Popcorntüten! Zu viel Negatives auf einem Haufen, das wurde allerdings mit einem guten Soundtrack unterlegt. Für mehr reicht es leider nicht, obwohl ich die Killers wirklich sehr gern höre. Der Abend gab aber einfach nicht mehr her. Vielleicht sind sie ja beim nächsten Mal besser – ich hoffe es jedenfalls.

Mittelmaß

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