04.
April
2006
Das Wetter ist mies, die Stimmung an der Deutschen Börse aber trotzdem prächtig. Wurde doch gestern beim DAX die psychologisch sehr ansprechende 6000-Punkte-Marke durchbrochen. Die Analysten frohlocken und sehen einen weiteren Anstieg des Aktienindex voraus.
Es klingt nach einer einzigen Erfolgsgeschichte, wenn im z.B. im Handelsblatt zu lesen ist:
Die Firmen haben erfolgreich ihre Kosten gesenkt, Randgeschäfte abgestoßen und Produktionsstätten in Billiglohnländer verlagert.
Für Aktieninhaber hört sich das schon recht gut an. Da steigen die Kurse beim Pharmariesen Schering schon mal ins unermessliche, wenn verkündet wird, dass Bayer den Konzern gerne übernehmen möchte. Für die Beschäftigten in den betroffenen Firmen lohnt sich so etwas immer etwas weniger. Gehen doch diese Maßnahmen fast immer mit Stellenabbau. Eine Frage stellt sich mir da: Zerstören sich die Unternehmen dabei eigentlich nicht ihren eigenen Markt?
Kann sein das ich mit meinen begrenzten wirtschaftlichen Fachwissen die Lage völlig verkenne, aber wenn in Deutschland keiner mehr Arbeit hat, woher soll die Kaufkraft kommen? Von den Arbeitnehmern aus den Billiglohnländern vielleicht? Die verdienen ja dann mehr als wir hier und kaufen sich dann die Produkte, die sie herstellen. Die Bevölkerung wird dann natürlich anspruchsvoller und emanzipiert sich, bildet vielleicht Gewerkschaften, dann steigen die Löhne. Die Billiglohnländer werden zu Hochlohnländern. Auf der Suche nach neuen günstigeren Standorten für ihre Fabriken kommen die Unternehmen dann vielleicht wieder zurück nach Deutschland. Der deutsche Arbeitslose ist zu der Zeit dann schon so Arm, dass sie jede Arbeit für jeden Lohn machen würden.
Ein ewiger Kreislauf, den Aktionär freut es, kann es ihm doch egal sein woher seine Dividende kommt. Das System Kapitalismus ist so gesehen doch irgendwie narrensicher oder?

4. April 2006 um 21:09
Du wirst da sicherlich ein paar interessante und berechtigte Fragen auf, allerdings muss man hier einige Dinge recht differenziert sehen.
Richtig ist, dass Kapital an sich (im Prinzip) keine Menschen braucht und keine Ländergrenzen kennt. Es braucht nur Renditechancen und die lassen sich grundsätzlich überall finden. Dort wo investiert wird, bleibt somit auch immer noch eine Menge Geld bei den Menschen hängen. Also keine Sorge, Bulgarien wird nicht so bald höhere Löhne als hier in Deutschland haben.
Dass in Deutschland auf Dauer keine Produktion von Massenwaren stattfinden wird ist klar. Das heißt aber nicht, dass hier dann auch keine Arbeitsplätze in der Produktion geben kann. Eine stinknormale Zündkerze muss nicht in Stuttgart gebaut werden, die kann jeder Chines mit einem Drittel an Kostenmitteleinsatz bauen. Wenn aber zukünftig in die richtigen Projekte investiert wird und von der Politik entsprechende Investitionsanreize geschaffen werden, dann bleiben noch immer zahlreiche Bereiche, die wunderbare Perspektiven bieten, beispielsweise in High-Tech, Produktneuentwicklungen und Forschung. Laufen diese besonders investitionsintensiven Kernbereiche gut, dann gibt es auch weiterhin genügend außen herum zu tun (Dienstleistungen und Zulieferer), Wohlstand und hohe Einkommen bleiben gesichert.
Entscheidend wird also sein weiterhin “attraktiv” zu bleiben für weitere Innovationstechnologien, nur dann kann der mitunter schmerzhafte Umbau in Deutschland erfolgreich vollzogen werden.
Ich denke entscheidene Leute und auch die Firmen habe dies erkannt. Ich bin daher zuversichtlich.
Let’s go Deutschland!
5. April 2006 um 09:26
Du hast natürlich recht mit deinen aufhellenden Ausführungen, das war meinerseits alles recht polpulistisch formuliert. Sie stammen eher aus der Wut über die zynische Haltung von vielen Managern gegenüber Stellenkürzunge.
Ich kann dir aber nur Zustimmen, so muss es laufen, auch wenn keiner so recht weiß, wie wir es anpacken müssen. Das größte Problem ist nach wie vor die Umwandlung von Produktionsarbeiter in Dienstleistungsarbeiter. Ich weiß auch nicht so recht ob das “außen herum”, wie du es nennst, die Masse an Arbeitskraft die frei wird aufnehmen kann.
Aber warten wirs ab. Potential ist ja vorhanden in Deutschland, es ist derzeit nur etwas vergraben unter Grißgram, Pessimismus und der Vorfreude auf die Fußball-WM.
5. April 2006 um 21:39
Hallo Seb,
na wie geht´s dir?
Hab dich eben ausgegoggelt und dachte, dass, wenn ich dich schon gefunden habe, ich dich ja mal grüßen müsste *g*. Coole Seite übrigens. Wenn meine verdammten Klausuren vorbei sind, meld ich mich bei dir, wenn du noch magst.
Viele liebe Grüße aus der Provinz Hildesheim
PS: Nächstes Mal gibts auch n Kommentar. Vielleicht zu dem Thema über Frauen, die immer soviel essen und reden?
6. April 2006 um 07:32
Da muss ich mich doch mal wieder auf die Seite meines Bruders schlagen. Ich kann mir nicht vorstellen dass Deutschland ausschließlich mit HiTech-Industrie und den dazugehörigen Zulieferfirmen überlebensfähig ist. Sicher ist das eine Stärke der deutschen und die Qualität sollte uns von der Masse an Billiganbietern abheben. Aber diese Qualität fängt schon bei der ersten Schraube bzw. der angesprochenen Zündkerze an. Jede Einspraung an den Kosten spiegelt sich früher oder später in der Qualität wieder. Das sollte man dabei immer bedenken, vor allem da die Auslagerung der Arbeitsplätze noch lang nicht abgeschlossen ist.
6. April 2006 um 09:58
Das Problem ist doch alt, es geht ja nicht nur um Zündkerzen oder sonstiges, die werden doch heute sowieso fast ohne menschliches Zutun produziert. Auch weiterhin werden die berümten “weniger qualifizierten, arbeitsintensiven Arbeitsplätze ” benötigt und zwar viele davon. Es werden ja trotz steigender Bildung nicht alle gleich zum Dip.-Ing..
Wenn ich da allein an Augsburg denke, was da an Arbeitsplätze vernichtet wurden, durch den Wegfall der Textilindustrie…
@Ari: Schön von dir zu hören, aber irgendwie schreibst du immer Klausuren kann das sein?
Viel Erfolg dabei, freu mich wenn du dich mal wieder meldest. Aber erst wenn du Zeit hast, vorher wird gelernt!
Ach und danke für die Blumen
6. April 2006 um 18:38
Man muss kein Dipl.-Ing. sein um in einer innovativen und zukunftsfähigen Industrie zu arbeiten. Sicherlich müssen wir in Deutschland den Akademikergrad erhöhen, europaweit sind wir schon fast ganz hinten, allerdings gibt es auch sonst genügend “hochqualifizierte” Jobs, die kein Studium erfordern. Diese Jobs müssen irgendwann von den Vorleistungen der Akademikern getragen werden, indem neue Produkte entwickelt werden, die wiederum komplexe (und neuartige!) Verarbeitungs- und Herstellungsverfahren benötigen.
Genau aufgrund dieser Tatsache ist Deutschland jetzt schon so stark im Export und wenn es gelingt dies weiter zu forcieren sehe ich kein Problem in Deutschland (und auch dem restlichen Westeuropa).
Genau hier muss man ansetzen.
6. April 2006 um 18:57
Auch wieder richtig, ich glaub wir sollten einfach mal mit mehr Optimismus in die Zukunft blicken.
Meine genialen Ideen werd ich jetzt aber nicht verkünden