20.
Oktober
2007
Tag 4: Basum Co
Der Tag begann nicht nur wegen der Maus in der vergangenen Nacht schlecht, auch unser Guide hatte anscheinend keine gute Nacht gehabt, er verschlief etwas und musste geweckt werden. Unter tausend Entschuldigungen machten wir uns auf den Rückweg nach Lhasa. Allerdings mit einen kleinen Umweg zu einem heiligen Gebirgssee, der Basum Co.
Die Fahrt ging also wieder durch die grünen Wälder und die mit Gebetsfahnen behange Berge. Es war wirklich sehr entspannend, bis wir die bekannte Strecke verließen, um zum See zu fahren. Plötzlich fuhren wir neben der Straße, ein Dammbau ließ die Straßenführung etwas aus dem Ruder laufen. Wir rumpelten also über Schotterpisten bergauf und ab.
Gut durchgeschüttelt fuhren wir an unzähligen Tibetern auf ihren kleinen, liebevoll verzierten Motorrädern vorbei. Sie alle waren auf den Weg zu einer Art Volksfest. So kamen wir in den Genuss der verschiedenen traditionellen Trachten dieser Region und dem größten Motorrad-Parkplatz den ich je gesehen habe.
Kurz darauf erreichten wir allerdings schon den See. Grün schimmernd lag er plötzlich unter uns – malerisch umrahmt von gewaltigen Bergen. In der Ferne war der Gletscherberg zu sehen, der diesen See speist. Ein kleines Stückchen weiter kam dann unser Ziel in Sicht, eine kleine Insel mitten im Basum Co. Sie lag nah genug am Rand, dass sie mit einem schwimmenden Steg mit dem Ufer verbunden worden war. Wir stiegen also zum Ufer hinab und wankten über den etwas gewöhnungsbedürftigen Steg zur Insel hinüber. Allerdings nicht ohne die Finger in das trübgrüne Wasser gesteckt zu haben – es war logischerweise eiskalt. Insgesamt war es sowieso ungewohnt kühl geworden. In Lhasa 1000 Meter höher gelegen, lief ich nur im T-Shirt herum, hier brauchte ich eine dicke Jacke.
Auf der Insel befand sich ein winziger Tempel, der von der Rotmützen-Sekte betrieben wird. Hier, so sagt es die Legende, hatte einst Padmasambhava, einer der wichtigsten Persönlichkeiten im tibetischen Buddhismus häufig meditiert. Das leuchtet ein, besitzt dieser Ort doch eine fast schon mystische Ruhe. Das trübe Wetter an diesem Tag unterstützte diese Ruhe noch mal. Wenige Touristen hatten heute den Weg auf das kleine Eiland gefunden. So waren die engen Wege rund um den Tempel menschenleer. Nur die knorrigen und unheimlich geformten uralten Bäume versperrten die Sicht auf den still daliegenden Basum Co. Es war herrlich.
Doch das Bewusstsein noch mindesten 7 Stunden unterwegs zu sein, holte uns wieder ein. Widerwillig machten wir uns auf den Weg diesen verzauberten Ort zu verlassen und stapften etwas bedrückt zurück zum Auto.
Und wieder war diese wunderbare Wandlung der Landschaft zu beobachten, als wir weiterfuhren. Die Bäume wurden weniger, die Yaks mehr und irgendwann erreichten wir wieder den Pass. Die altbekannte Gras- und Buschlandschaft rund um Lhasa nahm wieder den Platz vor unserem Fenster ein. Wir näherten uns der Hauptstadt und tatsächlich nach insgesamt 11 Stunden fahrt, tauchte in der Ferne der Potala aus dem Nichts auf – endlich zu Hause.
Viel Zeit zum Ausruhen wollten wir uns aber nicht gönnen, unseren letzten Abend wollten wir im Stadtzentrum verbringen. Wir aßen ein leckeres Mahl in unserer Stammkneipe am Barkhor und schlenderten in der Dämmerung durch die Straßen, bis wir am hell erleuchteten Potalapalast etwas verweilten. Ein letztes Mal wollten wir diesen Ausblick genießen. Die Menschen um uns herum waren ebenso wie wir vom Anblick verzaubert, aus allen Herrenländern standen und saßen sie vor dem Potala und wirkten glücklich.
Es ist schwer loszukommen von Tibet, egal ob Basum Co, die Landschaft, der Barkohr oder der Potala, man kann sich nicht satt sehen. Aber irgendwann muss auch ich ins Bett und so verhandelte ich mal wieder mit einem Taxifahrer, der uns schnell und sicher ins Hotel zurück brachte. Die letzte Nacht in Tibet ging so langsam zu Ende.

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