Wer derzeit Besucher auf seinen Blog locken will, der schreibt am Besten einen Eintrag über StudiVZ. Derzeit gibt es in der Blogspähre wohl kein unbeliebteres Unternehmen, als das Studierverzeichnis. Die Blogger überschlagen sich mit Gerüchten, Anklagen und Beschuldigungen und auch die etablierten Medien entdecken das Thema für sich. Auf der anderen Seite freut sich StudiVZ über die Publicity, der Name des StartUps ist in aller Munde.

Eigentlich erstaunlich, denn das Konzept ist ja im Grunde 1:1 von Facebook übernommen, dass bereits 2004 in den USA gegründet wurde. Dass die Jungs von StudiVZ also einfach ein erfolgreiches Konzept aus Übersee in Europa etablieren und dabei sind eine Menge Kohle zu scheffeln, kann man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen, das spricht eher für cleveren Geschäftssinn.

Dass sie aber neben dem Facebook-Look-and-Feel auch alle Kritikpunkte des amerikanischen Pendants übernehmen, ist mehr als unglücklich. So krankt StudiVZ ebenfalls an einer mangelhaften Privatsphäre und datenschutzrechtlichen Querelen. Aber was viele Kritiker vergessen: Es steht jeden frei sich dort anzumelden und seine privaten Daten preiszugeben.

Vielleicht ist es auch ein wenig Neid im Spiel. Seien wir doch mal ehrlich: Mit einem Konzept, dass man nicht mal selbst entwickelt hat zu einem Millionendeal zu kommen und von der Presse hochgejubelt zu werden, das ist doch der Traum aller Web-StartUps. Geld und Web2.0 das verträgt sich einfach nicht in den Augen vieler Blogger. So sind die vielen peinlichen Fettnäpfchen, in die die StudiVZ-Führung so tritt natürlich ein gefundenes Fressen, um sie genüsslich aufs Korn zu nehmen.

Die Nutzer von StudiVZ interessiert das wenig. Das sind zu großen Teilen technisch unbedarfte Studierende, die keine Datenschutz-Paranoia haben. Sie wollen möglichst einfach mit anderen Leuten in Kontakt treten, ihre Freunde im Auge behalten und ab und an ihre Party-Fotos hochladen. Mehr nicht. Kein AJAX, keine Blogfunktion, keine technischen Spielereien, die sie eh nicht verstehen – genau das bietet StudiVZ.

Es ist so ein langweiliges System, dass es kaum der Rede wert ist. Mit seinen marginalen Kommunikationsfunktionen in Form von Gruppen-Foren und Personal Messages ist es dann auch extrem Retro und nicht mal ansatzweise Web2.0. Selbst mein Email-Konto bietet inzwischen mehr Kommunikationsmöglichkeiten als StudiVZ! Lange wird sich das Konzept so, wie es jetzt ist, sowieso nicht halten können. Ich glaube nicht, dass so viel Kommunikation über diese Plattform stattfindet, wie es gerne von den Betreibern behauptet wird. Wenig Funktionen gepaart mit lahmen Servern und keinem tragfähigen Geschäftsmodell, was soll daraus werden?

Wozu also die ganze Aufregung?! Weil sie erfolgreich sind mit einem geklauten Konzept?! Weil die User so doof sind und alle ihre privaten Daten im Verzeichnis offen legen?! Ich weiß nicht, das kann man den Jungs doch nicht vorwerfen, oder? Gut die Unternehmenskommunikation nach außen ist gelinde gesagt total unprofessionell und ihr Umgang mit Kritik umzugehen etwas fraglich. Aber wie verhält man sich, wenn plötzlich die halbe Blogwelt auf einen einprügelt? Da ist es doch sowieso egal, was man antwortet.

Aber das ist ja das Schöne an den Säuen, die durch Klein-Bloggersdorf gejagt werden, meistens geht’s um nix, aber alle regen sich drüber auf und machen ein riesen Geschrei. Eigentlich besser als die Bildzeitung…

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