Neulich beim Aufzugfahren: Drei Fahrgäste drängeln sich in die Kabine. Eine Frau Ende 50, ein stockbesoffener Mann und ich.

Der lallende Typ freut sich, dass wir ihn die Lifttür aufgehalten und auf ihn gewartet haben. „Wir sind ja da nicht so“, meint die Frau „wir sind ja höflich. Das gibt’s ja nicht mehr so oft.“ Der Angesprochene erwidert stockend: „Ja, vor allem in dem Haus hier.“ Mir ist natürlich klar, wen er damit meint: Ausländer. Hier im Schwaben Center wohnen so ziemlich alle Nationen: Araber, Türken, Russen, Polen und natürlich Deutsche.

Und mit den besten Deutschen scheine ich mir gerade den Aufzug zu teilen. Jedenfalls, wenn es nach ihnen geht: „Es grüßen ja nicht mal alle, unmöglich!“, greint die solariumgebräunte Dame. Dem dicklichen rotbackigen Mann fällt es dabei schwer gerade zu stehen, aber er nickt zustimmend. Wir halten im siebten Stock, ein Rollstuhlfahrer will mit in den Lift. Auch er sieht nicht gerade nüchtern aus, aber ist ein Deutscher, also wird er freundlich begrüßt – jedenfalls von der Frau. Der betrunkene Dickwanst versucht sich an die Wand zu pressen, anstatt den Weg frei zu machen. „Fahren sie mir ruhig über die Füße“, lallt er.
Irgendwie zwängt der Rollstuhlfahrer sich rein und wir können weiter fahren.

Eine Etage, um genau zu sein, da wohn ich nämlich. Ich zwänge mich an den Betrunkenen vorbei, die natürlich keine Anstalten machen mich irgendwie vorbeizulassen. Sie stehen einfach da, glotzen blöd und stinken vor sich hin. Höflich wie ich bin, verabschiede ich mich freundlich. Zurück grüßt natürlich nur die Frau, die anderen beiden scheinen nicht zu wissen, wo sie gerade sind und wer da gesprochen hat.

Erstaunlich wie asozial sich manche Deutschen aufführen und sich dann immer noch erdreisten zu meinen sie seinen besser als andere.

Share it:
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Netvibes
  • Wikio