Das Ende ist nah! Noch ein paar Stunden und die Olympischen Spiele 2008 sind Geschichte. Zeit für ein vorläufiges Fazit meinerseits.

Es waren große Spiele, mehr Sportarten, mehr Athleten, mehr Journalisten, mehr Sportstätten, mehr Volunteers – kurz mehr Aufwand als jemals zuvor wurde betrieben, um perfekte Spiele zu gewährleisten und China ein neues Bild in der Welt zu geben. Ersteres ist gelungen, Letzteres wird wohl dank der übertriebenen Propaganda wohl nicht wirklich funktionieren.

So richtig wichtig ist bei den Spielen, nach Bekunden des IOC ja sowieso nur der Sport und der wurde ja nun zu Genüge gezeigt. Sportlich war’s tatsächlich ziemlich überzeugend und spannend, außer dem Abschneiden der deutschen Sportler, gibt’s da nichts zu meckern.

Was mich aber so richtig enttäuscht hat, war die kaum vorhandene Stimmung in den Sportstätten und in der Stadt. Sie waren perfekt organisiert, das steht außer Frage, aber gute Stimmung kann man halt nicht planen. Ich hatte mir das alles ein bisschen bunter, multikultureller und ausgelassener vorgestellt. Aber bei vielen Millionen Chinesen fallen ein paar Hunderttausend ausländische Fans nicht sonderlich auf.

Allgemein neigen die Chinesen scheinbar nicht zum großen Jubeln und Feiern. Richtig laut wurden sie bei diesen Spielen eigentlich nur beim Anfeuern ihrer eigenen Athleten und beim Verkünden von chinesischen Goldmedaillengewinnern.

Es war dann manchmal doch schon etwas anstrengend, wenn hinter dir im Stadion plötzlich irgendeine schrille Stimme aufgeregt JiaYou! schreit, bloß weil ein chinesischer Diskuswerfer sich gerade warm machte, aber beim Weltrekordsprung nur ein verhaltener Applaus und einen raunen durch das Stadion hallte.

Der Jubel der Chinesen war meist eh nur sehr kurz, viel Luft dafür scheinen sie nicht zu haben. Sie sind wahrscheinlich mehr die Fahnenschwinger, die bei politischen Reden bei besonders tollen Sätzen kurz mal jubeln dürfen – da braucht man ja schließlich keine ausgelassen feiernden Menschen.

Ich glaube allerdings, dass die Chinesen diese Spiele so was von Ernst nahmen, dass sie für richtige Ausgelassenheit irgendwie keinen Sinn mehr hatten. Ich weiß allerdings auch nicht, wie das sonst bei Olympischen Spielen ist, das waren schließlich meine Ersten. Vorher habe ich nur die Fußball-WM 2006 in Deutschland als sportliches Großereignis miterlebt, aber da herrschte eine ganz andere Stimmung. Man hatte wirklich das Gefühl, dass man eine große Welt-Party feierte.

Hier in Peking sind die Live Sites für Public Viewing fast immer verwaist, kaum einer würde auf die Idee kommen, da irgendwie Partystimmung zu verbreiten. Meist wird nur stumm auf die Leinwände gestarrt und ab und zu mal applaudiert. So richtige Stimmungskanonen sind Chinesen also nicht, das liegt vielleicht auch an ihrer Kultur.

Als vorläufiges Fazit kann ich wohl heute mal zusammenfassend schreiben: Ja, sportlich und organisatorisch waren das wirklich tolle Spiele, kaum besser zu machen, aber atmosphärisch ist wohl viel, viel mehr drin.

Vielleicht geht ja heute bei der Abschlussfeier noch was, wir werden sehen…

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